Stadtoldendorf (zir). Mit einem neuen Netzwerk aus Anlaufstellen, Schulungen und digitaler Begleitung soll das Thema Kinderschutz in der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf sichtbarer und alltagsnah verankert werden. Vertreter aus Verwaltung, Polizei, Innenministerium, Schule, Wirtschaft und der Kinderschutzallianz stellten das Projekt jetzt gemeinsam vor. Im Mittelpunkt stand die Einführung von Kinderschutzinseln, die Kindern in Angst-, Gefahren- oder Notsituationen schnell und niedrigschwellig Hilfe bieten sollen.
Zu den Beteiligten gehörten der Präventionsrat der Samtgemeinde Eschershausen-Stadtoldendorf mit Samtgemeindebürgermeister Robert Kumlehm, dem stellvertretenden Leiter des Ordnungsamts Sebastian Pötig und dem Leiter der Polizeidirektion Stadtoldendorf, Holger Scheffel. Ebenfalls dabei waren Michaela Schneider von der Kinderschutzallianz des Niedersächsischen Innenministeriums, Denis und Bela Wieser von „Kinder Jugend & Teilhabe (KiJuTe)“ aus Gelsenkirchen, die Filiale der Bäckerei Engel aus Stadtoldendorf sowie die Hagentorschule, mit Konrektorin Sarah Berhörster und der Klasse 4d.
Holger Scheffel erinnerte daran, dass die Initiative an ein Thema anknüpfe, mit dem bereits vor rund zehn Jahren begonnen worden sei und jetzt mit einem breiteren konzeptionellen Ansatz neu belebt werden soll. Zugleich warb er für weitere Partner. Auf Grundlage einer zurückliegend durchgeführten Abfrage durch den Präventionsrat gebe es in der Samtgemeinde in den Ortschaften Eschershausen, Deensen und Stadtoldendorf aktuell bereits rund 30 interessierte Geschäfte, die mitmachen wollten. Weitere seien gerne willkommen.
Michaela Schneider dankte dem Präventionsrat für die Unterstützung. Sie beschrieb die Kinderschutzinsel als niedrigschwelliges Angebot für Kinder, die sich in einer beängstigenden Situation befänden oder rasch Schutz suchten. Die teilnehmenden Orte seien durch ein sichtbares Logo an Tür oder Fenster erkennbar – dargestellt durch Hund Basko im Polizeikostüm der auf das Logo der Kinderschutzinsel zeigt. Das Konzept der Kinderschutzallianz baut auf den Bausteinen "Sicherer Hafen" für Schulen, Kitas und Vereine, einem Netz externer „Kinder:Schutzinseln“ sowie der App und der Figur Basko als verbindendem Element auf. Ziel sei es, Kinder in ihrer Handlungssicherheit und Resilienz zu stärken.
Der Hund Basko spielte bei der Vorstellung eine zentrale Rolle. Schneider und die Familie Wieser erläuterten, dass Basko auf einem ehemaligen Diensthund beruhe und Kindern den Zugang zum Thema erleichtern solle. Gerade Kinder, die sich Erwachsenen nicht ohne Weiteres anvertrauten, fassten zu der Figur oft schneller Vertrauen. Nach Angaben der Beteiligten soll Basko deshalb nicht nur auf den Schutzinseln sichtbar sein, sondern auch in Schulprojekten, Videos und sozialen Medien helfen, Inhalte kindgerecht zu vermitteln.
Schulen und Geschäfte sollen fest eingebunden werden
Nach Darstellung von Denis Wieser reicht ein Aufkleber allein nicht aus. Entscheidend sei, dass Kinder die Orte kennen, gezielt aufsuchen können und schon vor einer größeren Notlage lernen, wie sie das Angebot nutzen. Dafür sei eine Schulungs-App für Multiplikatoren entwickelt worden. Wer sich beteilige, könne in einer rund zweistündigen Schulung zertifiziert werden und erhalte einen digitalen Werkzeugkoffer. Eine weitere App bündele Videos, Informationen und Tutorials. Auch Mitarbeitende aus Geschäften, Kitas und Schulen könnten sich dort informieren und als Botschafter qualifizieren. Das Konzept der Kinderschutzallianz sieht ebenfalls eine strukturierte Qualifizierung lokaler Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie eine App als Informations- und Zertifizierungsplattform vor.
Bela Wieser erklärte, dass die Schulungen bereits bei Kindern im Alter von etwa fünf bis sechs Jahren beginnen könnten. Spielerisch werde vermittelt, wie die Telefonnummer der Polizei aussehe, wie eine Schutzinsel gefunden werde und wie Kinder sie im Ernstfall schnell erreichten. In den Grundschulen würden Themen später vertieft, darunter Gaming und Cybermobbing. Ergänzend seien Basko-Sprecher mit Weste vorgesehen, damit Kinder lernen, füreinander einzustehen und Probleme bei Bedarf an Erwachsene weiterzugeben.
Auch Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Streetworker könnten nach Angaben der Initiatoren geschult werden. Darüber hinaus bestehe die Möglichkeit, Basko-Trainer zu werden. Alle angebotenen Leistungen seien kostenfrei, finanziert werde das Angebot durch Bündnispartner und Spenden. Es koste lediglich Zeit und Engagement. Interessierte können sich an die E-Mail-Adresse
Erste Kinderschutzinsel in Stadtoldendorf vorgestellt
Ein erstes sichtbares Zeichen gibt es bereits in Stadtoldendorf: Die Engel-Filiale in der "Neue Straße" wurde als erste Kinderschutzinsel benannt. Firmenleiter Jannis Engel maß dem Projekt große Bedeutung bei. Die Filiale solle offen für alle sein und Kindern Schutz bieten. Für das Unternehmen stehe das Wohl der Kinder an erster Stelle. Zugleich kündigte er an, dass jede Engel-Filiale überregional zu einer Anlaufstelle werden solle.
Mit der Beteiligung der Hagentorschule und der Klasse 4d wurde zudem deutlich, dass die Initiative nicht bei Handel und Behörden enden soll. Vielmehr setzen die Beteiligten auf ein Zusammenspiel von Schule, öffentlichem Raum und digitaler Aufklärung. Nach dem Konzept der Kinderschutzallianz sollen Kinder dadurch lernen, Gefahrensituationen früher zu erkennen, Hilfe zu holen und sichere Orte bewusst zu nutzen.
Fotos: zir