Landkreis Holzminden (red). Gradlinig sei er gewesen, immer einsatzbereit und dabei ausgesprochen loyal: Viele lobende Worte vom Landrat für Rainer Stecker, der nach 34 Jahren als einer der dienstältesten hohen Beamten des Landkreises Holzminden seinen Posten als Justiziar des Kreises an seine Nachfolgerin abgibt und in den Ruhestand tritt. „Ich bin mir sicher, dass uns das richtig wehtun wird, Sie nicht mehr zur Verfügung zu haben“, erklärte Landrat Michael Schünemann bei der offiziellen Verabschiedung des 63-Jährigen. Mit Stecker geht eine der letzten verdienten Führungskräfte, die noch unter dem letzten Oberkreisdirektor Klaus-Volker Kempa ihre Laufbahn begonnen haben und danach unter zwei gewählten Landräten und einer Landrätin die Geschicke des Landkreises mit gelenkt und bestimmt haben. Einer, der praktisch zum Inventar der Verwaltung gehörte, geht. 

Die Liste der Aufgaben, die Stecker im Laufe seiner Dienstzeit wahrnahm, ist lang. Allein 23 Jahre lang war er Allgemeiner Vertreter des Oberkreisdirektors bzw. der darauffolgenden Landräte und Landrätinnen. Damit hatte er die komplette Führungsverantwortung, sobald einer der Hauptverwaltungsbeamten nicht im Haus war. Darüber hinaus hat Rainer Stecker als Kreisverwaltungsdirektor und Dezernent während dieser Zeit fast jeden Bereich in der Kreisverwaltung verantwortlich geführt. Ab 2016 übernahm er die Leitung des Stabes 02, in dem mit dem Justiziariat, der Vergabestelle, dem Bereich Wahlen und der Kommunalaufsicht entscheidende Schlüsselfunktionen der Verwaltung vereint waren. Diese Aufgaben – inzwischen einen Bereich des Dezernates der Ersten Kreisrätin eingegliedert – hat Stecker jetzt in die Hände seiner Nachfolgerin Heidi Zimmer gelegt. 

„Ich freue mich auf die Zukunft“, erklärt der Neuruheständler unumwunden bei seinem Abschied im Kreishaus. Er habe sich immer eingesetzt und vielleicht auch eine Menge bewirkt, aber das habe ihn auch viel Kraft gekostet. Seine zweite Liebe hat der gebürtige Münsterländer vor ein paar Jahren im Eichsfeld gefunden, nach seiner Heirat wechselte er die Anfangsbuchstaben seines Namens von Becker in Stecker und zog nach Duderstadt. Von dort aus wird er das Weserbergland künftig zusammen mit seiner Frau Ute touristisch erschließen, denn dafür sei in den letzten Jahren viel zu wenig Zeit gewesen. 

Trotz schwieriger Zeiten, die sich durch die Krise mit den doppelten Müllverträgen vor zehn Jahren und den daraus resultierenden Spannungen mit der damaligen Landrätin Angela Schürzeberg entwickelten, blickt Rainer Stecker insgesamt mit Dankbarkeit auf seine berufliche Laufbahn zurück. Angesichts der Not und des Elends in der Welt habe er viel Glück gehabt in seinem Leben. 

Erste Kreisrätin Sarah Humburg als zuständige Dezernentin für das Justiziariat unterstrich ihr besonders Verhältnis zu dem Scheidenden. Als sie noch bei der Stadt gewesen sei, habe sie als Neuling in ihrer dortigen Funktion öfter mal juristischen Rat gesucht bei dem erfahrenen Justiziar des „großen“ Landkreises. Für die joviale Art Steckers und seine guten Ratschläge sei sie heute noch dankbar, betonte die Erste Kreisrätin. „Es ist ein Abschied, der schmerzt, weil ganz viel Wissen und Erfahrung geht“, bedauerte Humburg zudem. Dem schlossen sich auch die Personalbereichsleiterin Claudia Bonefeld und Personalratsvorsitzende Martina Kohlmeyer an. Mit Rainer Stecker gehe ein Mensch des Herzens, sagte Kohlmeyer.

Foto: Landkreis Holzminden