Dassel/Neuhaus im Solling (red). Eine seltene Wiesenpflanze wollen die Niedersächsischen Landesforsten wieder häufiger auf ihren Wiesen wachsen sehen. Die Arnika (Arnica montana) ist im Solling so selten geworden, dass Forstleute in Zusammenarbeit mit dem Naturpark Solling-Vogler mit gezielten Anpflanzungen und Aussaaten helfen wollen. Rund 300 Pflanzen vom Berg-Wohlverleih – so sein zweiter Name - wurden jetzt auf den Ahlewiesen im Naturschutzgebiet ausgepflanzt. Zusätzlich wurden dort im Forstamt Dassel an mehreren Stellen Arnika-Samen ausgesät, um die geschützte und vom Aussterben bedrohte Blume im Landkreis Northeim wieder anzusiedeln. Das Saatgut für die Pflanzenanzucht stammt von den letzten verbliebenen Arnika-Pflanzen des Sollings – am Mecklenbruch hatte sich noch ein natürliches Vorkommen gehalten. 

Seit 2013 läuft das Wiederansiedlungsprojekt bereits im Forstamt Neuhaus unter Leitung des Waldökologen Ulrich Schlette, mit ersten sichtbaren Erfolgen (siehe Foto). „Inzwischen blühen dort wieder so viele Arnika, dass wir die Arnika-Samen auch direkt in dafür vorbereiteten Flächen aussäen können. Unser Ziel ist ein langfristig überlebensfähiger Arnika-Bestand im Solling“, beschreibt Naturschutz-Förster Kai Conrad das Konzept. Unterstützung erhalten die beiden Forstämter dabei auch von der Wissenschaft. Professor Dr. Winfried Türk von der Hochschule Ostwestfalen Lippe in Höxter steht mit Rat und Tat zur Seite. Die Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Northeim und Holzminden erteilten die Genehmigung für die ungewöhnliche Samenernte und Wiederansiedlung.

Kooperationsprojekt von Landesforsten, Naturpark, Hochschule und Schäferei

In den vergangenen Jahren seit Projektbeginn wurden genügend Erfahrungen gesammelt, um die Arnika an geeigneten Standorten erfolgreich wieder zu etablieren. Dr. Ansgar Hoppe, Leiter des Projektbüros Kooperativer Naturschutz beim Naturpark, hatte gemeinsam mit Förster Conrad die Ahlewiesen als geeignet eingestuft. Wie die neuen Arnika-Standorte langfristig gepflegt werden sollen, hatten Dr. Hoppe, Kai Conrad und Revierförster Hans-Jürgen Schröder gemeinsam mit Schäfer Christian Meese vor der Auspflanzung besprochen. Schäfer Meese pflegt die Naturschutzwiesen im Auftrag des Forstamtes und der Naturschutzbehörde. „Ohne ihn und seine Schafe wäre der Erhalt der ungedüngten, artenreichen Wiesen nicht möglich. Die Landesforsten sind dankbar, dass er mit seiner flexiblen Schafbeweidung die Arnika-Ansiedlung unterstützt“, freut sich Revierleiter Hans-Jürgen Schröder. Die Arnika-Auspflanzung hatten Dr. Ansgar Hoppe, Prof. Dr. Winfried Türk und Silvia Friedrichs übernommen. Sie kümmern sich auch um die diesjährige Pflege der Jungpflanzen. Silvia Friedrichs arbeitet beim Alten Botanischen Garten Göttingen und hospitiert zurzeit beim Naturpark Solling-Vogler.

Kai Conrad und Dr. Hoppe bereisten jüngst auch die sogenannte „Arnikawiese“ im Revier Eschershausen. Auch auf dieser Fläche im Forstamt Dassel wachse zwar schon lange keine Arnika mehr, aber der historische Wiesenname sei Hinweis genug, so Conrad. Tatsächlich fanden die beiden noch geeignete Bereiche, an denen sie Samen einbrachten, die mittlerweile bereits gekeimt sind. Mit etwas Glück wird die Arnikawiese ihren Namen bald wieder zu Recht tragen.

Foto: Hoppe