Holzminden (red). Kalt und windig ist es am Donnerstag – das Aufbauteam der Stadt Holzminden und Projektleiterin Yvonne Salzmann haben sich besseres Wetter gewünscht. In drei Stunden Aufbauzeit schaffen es alle Beteiligten, die Konstruktion für die Ausstellung an den Bäumen anzubringen und die Plakate aufzuhängen. „Wir achten darauf, dass die Bäume keine Schäden davontragen“, betont die Projektleiterin. Sie hat sich im Vorfeld viele Gedanken gemacht, wie sie die 1,80 x 1,20 Meter großen LKW-Planen, auf denen die Werke der jeweiligen Künstlerin gedruckt sind, so anbringt, dass sie Wind und Wetter trotzen und sich dabei weder überschlagen noch zusammenschieben. Das Resultat kann sich sehen lassen: alle Bäume tragen eine Gummischlauch-Ummantelung um das Stahlseil, das von Baum zu Baum reicht. Die Planen sind mit Kipphaken befestigt. Denn die Projektleiterin hängt einmal im Monat die alten Planen ab und die Werke der nächsten Ausstellung auf. Das Seil hängt auf einer Höhe von 3 Metern, damit es niemanden behindert. 

Bei dem anschließenden Pressetermin kann die Gruppe dann auch beobachten, wie die Planen im Wind flattern, jedoch unverändert an ihrem Platz bleiben. Der Ausstellungsort im Park zwischen Unterem Teich der Sporthalle des TV Dt. Eiche scheint gut gewählt. Heike Leupold, Mitarbeiterin im Kulturamt, betreut das Projekt vor Ort. „Der Bereich um den Unteren Teich ist bereits als Kunst- und Kulturraum in den Köpfen der Holzmindener verankert“, sagt sie. Der Teich wurde während der letzten Straßentheaterfestivals zur Bühne; und um den Teich herum stehen Werke des vor kurzem verstorbenen Künstlers Karl Repfennig. Projektleiterin Yvonne Salzmann berichtet, wie die Idee zu dem Projekt entstand. „Wir wollten zeigen, dass die Kunst nicht tot ist, obwohl die Ausstellungsräume geschlossen sind. Im öffentlichen Raum kann Kunst eine ganz besondere Wirkung entfalten, und auch Menschen, die sonst nicht in Kunstausstellungen gehen, bleiben stehen und lassen das, was sie sehen, auf sich wirken.“ Oliver Fuchs als Vertreter der Braunschweigischen Sparkassenstiftung und der Braunschweigischen Landessparkasse freut sich sehr, dieses besondere Projekt fördern zu können. „Was für eine tolle Idee! In diesen Zeiten gibt es nur wenige kulturelle Projekte, die stattfinden und die wir unterstützen können. Umso begeisterter waren wir, als uns Frau Salzmann ansprach.“ Er betont, wie wichtig es sei, Kunst und Kultur lebendig zu halten. 

Ulf Hoppe, Förderungskoordinator der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, der zu dem Termin nicht anwesend sein konnte, freut sich, dass die Ausstellung sechs schöne Orte des Braunschweiger Landes – Braunschweig, Helmstedt, Lucklum, Bad Harzburg, Salzgitter und Holzminden – verknüpft. Projektleiterin Yvonne Salzmann hat in der Vergangenheit bereits eigene Werke an Seilen in den öffentlichen Raum gehängt. Neu ist der Zusammenschluss von sechs befreundeten Künstlerinnen aus dem Braunschweiger Raum, die sechs wechselnden Ausstellungsorte mit dem Rotationssystem (die Werke jeder Künstlerin hängen vier Wochen in jedem Ort) und der Zeitraum von insgesamt sechs Monaten. 

Die Künstlerin Rosi Marx aus Wolfsburg ist die erste, deren ausgewählte Werke in Holzminden gezeigt werden. Sie ist zum Pressetermin angereist. „Wir haben kein gemeinsames Thema, jede Künstlerin hat ihre Werke, die sie in dieser Ausstellung zeigen will, selbst ausgewählt.“ Rosi Marx arbeitet vor allem mit Collage; die Werke, die sie präsentiert, sind im Original postkartengroß oder auch 1x1 Meter. Das erste Werk in der Baumreihe entstand in der Corona-Zeit. Hier stellt die Künstlerin oft gebrauchte Worte wie „weitermachen“ in einen neuen Zusammenhang. 

Von Anfang an war es den Künstlerinnen ein Anliegen, die gedruckten Planen einer weiteren Verwendung zuzuführen. So entstand die Zusammenarbeit mit den Werkstätten der Lebenshilfe Braunschweig, die ab November aus den Planen „ARTbags“ herstellt. Die Taschen werden auch in Holzminden zu kaufen sein; der Erlös kommt den Künstlerinnen zugute. 

Im Laufe des Nachmittags bleiben viele Spaziergänger und Fahrradfahrer stehen, erstaunt von dem, was sie da sehen. Einige erkundigen sich nach dem Projekt oder lesen das Informationsplakat. Das freut natürlich alle Beteiligten. Bis Ende Mai ist die Ausstellung von Rosi Marx zu sehen. Im Kulturamt in der Oberen Str. 30 und im Stadtmarketing liegen Postkarten mit einem Zeitplan aus, aus dem ersichtlich wird, welche Künstlerin wann in welchem Ort ihre Werke ausstellt.

Foto: Stadt Holzminden