Holzminden (red). Sehr irritiert hat der Kreisvorstand der Grünen über die scharfen Angriffe der CDU zur Standortdebatte für den, von allen gewünschten, Neubau der HAWK im Bereich Soziale Arbeit reagiert. „Wir Grüne haben die Fachhochschule und gerade die Ansiedlung des Studienbereichs Soziale Arbeit 2003 schon positiv unterstützt als andere Parteien noch skeptisch waren. Es ist gut, wie stark die Studiengänge der HAWK von Green Building bis Soziale Arbeit angenommen werden. Holzminden ist Fachhochschulstandort und muss das bleiben. Klar ist auch, dass die HAWK neue Räumlichkeiten braucht, damit der Studiengang Soziale Arbeit wieder ein Zuhause findet und es ist gut, dass die rot-grüne Landesregierung endlich die Mittel dafür bereitgestellt hat“, so Christian Meyer vom Kreisvorstand. Die Grünen wünschen sich aber mehr Sachlichkeit in der Debatte um den genauen Standort.

Vorstandssprecherin Juliane Kirk Siebke: „Die Kritik vieler Bürgerinnen und Bürger am geplanten Standort in den historischen Teichanlagen und die Unterschriftensammlung muss in einer lebendigen Demokratie erlaubt sein, ohne dass die CDU dagegen polemisiert.“

Die Grünen erinnern daran, dass der Fachbereich Soziale Arbeit in einem eigenständigen Gebäude am Hafendamm gestartet ist, bis das Gebäude vor Jahren gesperrt werden musste. Warum, das leerstehende Gebäude nicht mit dem Know-how der HAWK sanierungsfähig ist oder warum dort kein Neubau erfolgen kann, bleibt bei der Standortauswahl unklar. Beim Standort in den Teichanlagen besteht jedenfalls großer Diskussionsbedarf.

„Unser Park an den Teichanlagen ist in seinem gesamten Ensemble als historisches Denkmal geschützt, ebenso sind Fragen des Naturschutzes und geschützte Arten betroffen. Deshalb sind die bisherigen Anbauten der HAWK auch auf dem Billerbeck-Parkplatz erfolgt. Warum die HAWK nun anscheinend um jeden Preis die Parkfläche am Haarmann-Denkmal bebauen will, erschließt sich uns nicht und muss man diskutieren dürfen, wie die breite Resonanz auf die Unterschriftenaktion zeigt“, so Vorstandssprecher Alexander Titze.

Auch im Sofortprogramm der Bundesregierung zur Klimaanpassung wird gefordert, dass die Kommunen „mehr Grün zur Abkühlung in den Städten schaffen und Parks, Grünflächen, Seen und andere kleine Gewässer verbessern und erhalten.“

Die Grünen erwarten daher von der HAWK, dass die vielen möglichen Standortalternativen vom Parkplatz Billerbeck, NP-Markt, über Commerzbank-Gebäude bis hin zur Sanierung bzw. Neubau des Gebäudes am bisherigen Standort am Hafendamm nicht einfach beiseite gewischt werden, sondern detailliert geprüft werden.

Die Grünen weisen darauf hin, dass das Bebauungsplanverfahren für den von der HAWK einzig gewünschten Standort in den historischen Teichanlagen noch läuft und noch nicht vom Rat entschieden ist. Neben Fragen des Baum- und Naturschutzes, hat das Land Niedersachsen gerade erst auf Intervention des Niedersächsischen Heimatbundes 2023 klargestellt, dass die gesamten historischen Teichanlagen unter Denkmalschutz stehen. In der Antwort der Landesregierung zur Renaturierung der Holzminde in den historischen Teichanlagen heiß es: „Kulturdenkmale sind instand zu halten, zu pflegen, vor Gefährdung zu schützen und, wenn nötig, instand zu setzen. Sie dürfen nicht zerstört, gefährdet oder so verändert werden, dass ihr Denkmalwert beeinträchtigt wird. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur als oberste Denkmalschutzbehörde hat das Landesamt für Denkmalschutz gebeten, sich der Angelegenheit anzunehmen.“

Wir begrüßen daher den Vorschlag für eine öffentliche Diskussion der HAWK mit den Kritikern des Standortes z.B. in der Stadthalle. „Dabei sollten alle Argumente Für und Wider die verschiedenen Standortalternativen auf den Tisch. Alle Seiten sollten Interesse an einem zügigen Verfahren statt langer Gerichtsprozesse haben.“ Zu den Fragen gehört aus Sicht der Grünen: Welche ernsthaften Versuche für andere Standorte wurden unternommen oder hatte man sich früh und einzig auf die Fläche am Teich festgelegt? Was soll mit dem Gebäude am Hafendamm geschehen? Wo können Landkreis und Stadt bei den Grundstücksfragen helfen? Welche Risiken gibt es für Denkmalschutz und Naturschutz am geplanten Standort? Was zählt die Bürgermeinung dazu in der Meinungsbildung der Fraktionen, ob sie der Flächennutzungsplanänderung zustimmen?

Vorstandssprecher Alexander Titze: „Eine faire öffentliche Diskussion mit der HAWK, warum die anderen Standorte nicht infrage kommen, ist überfällig. Es reichen dazu auch nicht einseitige Pressekonferenzen mit dem Bürgermeister, ohne dass andere Sichtweisen aus dem Rat zum Zuge kommen. Holzminden steht für offenen Bürgerdialog im Sinne von Demokratie und Freiheit. Es wäre gut, wenn die unterschiedlichen Alternativen nun ernsthaft untersucht werden, denn wir wollen alle einen schnellen und ökologisch nachhaltigen Neubau für die HAWK in Holzminden.“

Foto: Hier im Gebäude am Hafendamm war ab 2003 über viele Jahre das Zuhause der Sozialen Arbeit der HAWK. Wie es hier, mit dem Leerstand, weitergeht ist unklar, genauso welche alternativen Standorte zu den Teichanlagen überhaupt ernsthaft geprüft wurden, kritisieren die Grünen im Kreisvorstand (von links) Klaus-Dieter Risch, Gerd Henke, Anja Sonne, Ruth Horstkotte-Bald, Christian Meyer und Klaus-Dieter Bollmann.

Foto: Grüne