Hameln. Es gibt wohl kaum ein Gesprächsthema, über das so leidenschaftlich gestritten wird, wie über das der „Religion“. In Zeiten von Nahost-Konflikten und der Debatte um Migration (Stichwort: „Gehört der Islam zu Deutschland?“) ist das Thema jedoch allgegenwärtig.
Oft hört man, Religion sei die Ursache für Kriege. In dem Bestseller „Appell des Dalai Lama an die Welt“ warf sogar das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus die These auf, Religion berge Gewalt.
Religion sei der Kampf um die Glaubensvorherrschaft in der Gesellschaft, so der Tenor in vielen Debatten über Religion – und bei der Frage danach, ob eine moderne und aufgeklärte Gesellschaft denn überhaupt noch Religion brauche.
Der Hamelner Autor Carsten Adler setzt in seinem neuen Buch „Die einzige Religion ist Liebe“ an einer anderen Stelle an: Er fragt nicht, was Religionen trennt, sondern was sie im Innersten verbindet. Die „religio“ – in ihrer authentischen Ursprünglichkeit betrachtet – sei die Praxis der Einkehr: das Besinnen auf das, was uns in unserem Menschsein und unserer Menschlichkeit ausmacht und miteinander verbindet.
In einer Gesellschaft, die sich bei der Frage nach Moral, Sittlichkeit, Frieden und Werten spalte, sei Religion wichtiger denn je. Aber nur, wenn Religion gemäß ihres ursprünglichen und authentischen Ansinnens verstanden wird und nicht etwa als autoritäre Institution oder Gemeinschaft!
Adler will Religion anders verstanden wissen, als es in unserer modernen Gesellschaft suggeriert wird: nicht als Machtmittel, nicht als Kampfbegriff und nicht als starres System, sondern als ganz persönliches, eigenverantwortliches(!) und höchst individuelles Streben nach Einheit, Frieden und Liebe. In seinem Buch geht es deshalb um die Frage, wie es dazu kam, dass der ursprüngliche Sinn der Religion derart verlorenging, dass sie institutionell für Abgrenzung, Gewalt und Unterdrückung instrumentalisiert wurde.
Religion als Suche nach Verbindung
Mit „Die einzige Religion ist Liebe“ möchte Adler zeigen, dass alle authentisch religiösen Traditionen einen gemeinsamen Kern aufweisen. Der Religionsphilosoph nimmt seine Leserschaft mit auf eine Reise durch die verschiedenen Kulturen und Zeitalter. In jeder Kultur zeige sich, dass die „religio“ die Grundlage der jeweiligen Zivilisation begründet habe. Ob Christentum, Sufismus, Daoismus, Buddhismus, Hinduismus und Strömungen der Kabbala: all diese Lehren verbinde die Sehnsucht nach einer höheren Ordnung und einem größeren Zusammenhang, der in Eintracht und Frieden besteht.
Das Buch ist bewusst nicht wie eine klassische wissenschaftliche Arbeit geschrieben. Adler will seine Gedanken möglichst verständlich darlegen und Leserinnen und Leser zum Nachdenken anregen. Er stellt dabei die provokante These in den Mittelpunkt: Wo Religion die Gewalt und Trennung oder den Zwang hervorbringe, da habe sie ihren Sinn verfehlt.
Ein Buch gegen einfache Urteile
Sein Buch versteht sich als Versuch, den Begriff Religion wieder auf ihren ursprünglichen und authentischen Kern zurückzuführen: Auf die Praxis der „religio“ – das ist die Rückkehr in die Einheit, in der sich alle Menschen in ihrer Menschlichkeit wiedererkennen und begegnen. Religion sei etymologisch betrachtet begrifflich untrennbar mit der Bedeutung der „Nächstenliebe“ aber auch der Selbstliebe und damit Selbsterkenntnis.
Liebe definiert Adler dabei nicht bloß als Gefühl. Gemeint ist eine Geisteshaltung, die auf Verbindung, Eintracht, Empathie und gegenseitiges Verstehen zielt.

Ein persönliches Herzensanliegen
Carsten Adler ist 45 Jahre alt und in Hameln geboren. Die Stadt bezeichnet er als Teil seiner Herkunft. Zugleich sieht er wahre Heimat jedoch nicht als Ort, sondern als ein inneres Erleben. Sein akademischer Weg führte ihn unter anderem nach Basel, Göttingen, Münster und Luzern. Er beschäftigte sich mit Anthroposophie, Religionswissenschaft und Philosophie. Seinen Master machte er in Philosophie mit Schwerpunkt Religionsphilosophie.
Zur Philosophie fand Adler auch durch persönliche Erfahrungen: Als Jugendlicher schien sich nach einem Casting zu einer „Boyband“ der 90er Jahre sein größter Traum zu erfüllen. Als dies jedoch an seiner Angst und seinen Selbstzweifeln scheiterte, stellte er seinen Lebensweg grundlegend infrage. „Was ist der wirkliche Sinn meines Lebens?“, „Was, wenn genau die Dinge, die wir uns wünschen, doch das Gefahrenpotential bergen, unser größtes Unglück zu sein?“, „Was gehört wirklich zu mir und wie erkenne ich, wer ich wirklich bin?“ waren Fragen, die er sich in dieser Zeit stellte. Aus dieser Krise entstand eine Suche nach tieferem Sinn, höherer Wahrheit und grundlegender Orientierung.
Erstes Buch fand auch in Rumänien Beachtung
Vor „Die einzige Religion ist Liebe“ veröffentlichte Adler „Pepe Poseidonios – Der kleine Stoiker aus dem Atlantik“. Die märchenhafte Erzählung handelt von der Selbsterkenntnis und von einer magischen Wunscherfüllung, die den kleinen Meerjungen Pepe beinahe sein Leben kostet. Das Buch wurde auch in Rumänien wahrgenommen: Die deutschsprachige „Hermannstädter Zeitung“ veröffentlichte im März 2026 eine Besprechung unter dem Titel „Meerjunge auf der Selbst-Suche“. Adler arbeitet aktuell an einer schwedischen Übersetzung des philosophischen Märchens, damit das Buch bald auch im Heimatland seines Vaters erscheinen kann. Dieser lebt in der südschwedischen Region rund um Ronneby, in der auch die Geschichte „Nils Holgersson“ spielt, von der sich Adler inspiriert fühlt.

Im Mittelpunkt seines neuen Buches steht jedoch nicht die stoische Selbsterkenntnis, sondern die große Frage nach dem verbindenden Sinn von Religion. Adler möchte zeigen, dass religiöse Wege trotz aller Unterschiede auf etwas Gemeinsames verweisen können: auf das dem Menschen inhärente Streben nach Einheit, Liebe und Frieden.
In Hameln sind beide seiner Bücher erhältlich in den Buchhandlungen von Blum, Seifert, sowie bei Thalia in der Stadtgalerie und außerdem natürlich auch online:
„Die einzige Religion ist Liebe“, ISBN 978-3-95544-194-4: https://www.amazon.de/Die-einzige-Religion-Liebe-philosophische/dp/3955441946
„Pepe Poseidonios – Der kleine Stoiker aus dem Atlantik“, ISBN 978-3-95544-189-0: https://www.amazon.de/Pepe-Poseidonios-Atlantik-Erz%C3%A4hlung-Selbsterkenntnis/dp/395544189X
Fotos: Carsten Adler