Grünenplan (awin). Die medizinische Versorgung im Flecken Delligsen steht vor einem spürbaren Einschnitt: Zum 1. April schließt die Allgemeinarztpraxis von Walter Schaper in Grünenplan endgültig. Einen Nachfolger gibt es nicht. Damit endet die hausärztliche Versorgung in der einzigen Praxis des Ortes.
Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dies eine grundlegende Neuorientierung. Der Blick richtet sich künftig vor allem nach Delligsen. In der größten Ortschaft des Fleckens bestehen drei Hausarztpraxen mit insgesamt vier praktizierenden Ärztinnen und Ärzten.
Stephan Willudda, hauptamtlicher Bürgermeister des Flecken Delligsen, begleitet die Entwicklung seit Längerem. „Mit Herrn Schaper stehe ich schon seit langer Zeit in Kontakt, weil davon auszugehen war, dass er seine Praxis über kurz oder lang aus Altersgründen aufgeben wird“, so der parteilose Ortsvorsteher. Die Aufgabe der Praxis zum 1. April habe ihn dennoch überrascht: „Bis in den Herbst 2025 hinein wurde mir versichert, dass die Praxis auf unbestimmte Zeit weiterbetrieben wird. Erst kurz vor Jahresende habe ich von der Schließung zum Ende des ersten Quartals 2026 erfahren.“
Hausärzte wollen Patienten übernehmen
In einer Besprechung am 13. Januar im Delligser Rathaus teilten die im Gemeindegebiet praktizierenden Hausärztinnen und Hausärzte mit, dass sie sich in der Lage sähen, den bisherigen Patientenstamm der Praxis Schaper aufzunehmen und weiter zu versorgen. „Meine Gespräche mit den anderen Hausärzt/-innen im Flecken Delligsen haben ergeben, dass diese bereit und in der Lage sind, die Patienten von Herrn Schaper zu übernehmen, wenngleich dadurch deren Belastung steigt“, kann Willudda die Bewohner beruhigen.
„Die Schließung der Praxis Schaper bedeutet dennoch eine Reduzierung des Versorgungsgrades der Bevölkerung, weil nach jetzigem Stand ein weiterer Arztsitz im Versorgungsbereich Alfeld (Leine) der Kassenärztlichen Vereinigung unbesetzt bleibt“, so der Bürgermeister.
Hoffnung auf Nachfolge bleibt
Die Hoffnung auf eine Nachfolgeregelung ist im Rathaus noch nicht aufgegeben. „Mit der Kassenärztlichen Vereinigung stehe ich in Kontakt, um eine Nachfolgeregelung für die Praxis Schaper zu finden“, erklärt Willudda. Versuche, die Praxis in eine Außenstelle der MVZ Leinebergland GmbH umzuwandeln, seien aus unterschiedlichen Gründen gescheitert.
Trotz der Schließung bleibt nach aktuellem Stand festzuhalten, dass im Flecken Delligsen keine hausärztliche Unterversorgung droht. Die bestehenden Praxen wollen die Versorgung sicherstellen – auch wenn dies mit einem höheren Arbeitsaufkommen verbunden ist.
Foto: Willudda