Delligsen (red). Mit eindringlichen Texten, musikalischen Momenten und persönlichen Gesprächen hat am Freitag, 23. Januar 2026, eine Gedenklesung für Margot Friedländer im Evangelischen Familienzentrum in Delligsen stattgefunden. Rund 80 Zuhörende aus Delligsen und der Region waren der Einladung des Bündnisses „Holzminden ist bunt“ und des Evangelischen Familienzentrums gefolgt.
Die von Uwe von der Gracht moderierte Lesung war in drei Teile gegliedert und zeichnete den Lebensweg Margot Friedländers nach. Antje Knust eröffnete den Abend mit Texten und Erinnerungen aus der Zeit vor der Verhaftung durch die Gestapo. Die Passagen gaben Einblick in das Leben einer jungen jüdischen Frau im nationalsozialistischen Berlin, geprägt von Angst, Verfolgung und dem Versuch zu überleben.
Stationen eines bewegenden Lebensweges
Im zweiten Teil las Petra Vaal Texte aus der Zeit der Inhaftierung im Konzentrationslager Theresienstadt. Die ausgewählten Passagen machten das Leid ebenso spürbar wie die innere Stärke und den ungebrochenen Lebenswillen Margot Friedländers. Den dritten Abschnitt gestaltete Christiane Harbort-Ring mit Texten aus der Zeit nach der Rückkehr nach Berlin. Diese Zeugnisse standen für einen bewussten Neubeginn sowie für den Dialog und das lebenslange Engagement Friedländers für Erinnerung, Aufklärung und Versöhnung.
Margot Friedländers Worte wirken bis heute nach. Sie berichtete nicht nur vom Grauen der Vergangenheit, sondern betonte immer wieder, dass es keine kollektive Schuld gebe, wohl aber eine gemeinsame Verantwortung für Gegenwart und Zukunft.
Zum Abschluss trug Uwe von der Gracht eines der bekanntesten Zitate Margot Friedländers vor: „Es gibt kein jüdisches, kein muslimisches und kein christliches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Drum sei Mensch!“
Musik, Gespräche und Ausblick
Für einen besonders besinnlichen Rahmen sorgte Dr. Jean Goldenbaum mit Gitarrenstücken und Gesang. Er beendete den offiziellen Teil der Gedenklesung mit dem Lied „Schalom aleichem“, mit dem traditionell die jüdische Schabbatfeier am Freitagabend beginnt. Im Anschluss blieben viele Zuhörende sowie die Vortragenden noch im Familienzentrum und führten dort intensive Gespräche.
Unter den Gästen befanden sich auch zahlreiche junge Einwohnerinnen und Einwohner sowie Pfarrer Bernd Kuchmetzki und Andreas von Einem, geschäftsführender Pfarrer des Pfarrverbandes am Hils. Die Veranstalter zeigten sich erfreut über die große Resonanz.
Wer die Gedenklesung in Delligsen verpasst hat, kann diese am Dienstag, 27. Januar 2026, um 19.30 Uhr im Jacob-Pins-Forum in der „Westerbachstraße 35–37“ in Höxter nachholen. Anlass ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. Veranstalter sind die Jacob Pins Gesellschaft und das Bündnis „Holzminden ist bunt“. Der Eintritt ist frei, alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
Foto: Klaus Beimelt/Ev. Kirchengemeinde