Eschershausen (red). So manch einer mag sich verwundert die Augen gerieben haben. Mitten auf Feldern und Wiesen am westlichen Randgebiet von Eschershausen steht seit geraumer Zeit kleineres und größeres Bohrgerät. Und die Frage, die viele Menschen bewegt, ist: Wieso? Die Antwort steht unmittelbar in Zusammenhang mit der Zukunft der über 1000 Jahre alten Stadt.

Es sind vorbereitende Arbeiten im Zuge der West-Umfahrung, die dem Ort nach Fertigstellung (im Zusammenspiel mit der ebenfalls im Bau befindlichen Nord-Ost-Umfahrung) besseren Anschluss an umliegende Verkehrsnetze und den Einwohnern spürbare Entlastung bringen soll. Eine wesentliche Rolle bei den Bohrarbeiten im Rahmen der Westumfahrung spielt Tim Hillebrecht.

Der Bauleiter führt zusammen mit seinem Team einer Fachfirma aus Neustadt/Wied geologische Aufschlussarbeiten durch, um im Auftrage des Geschäftsbereiches Hameln der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr die Bodenverhältnisse zu prüfen. Ein wichtiger Aspekt beim Straßenbau, und vor allem bei dieser Baumaßnahme. Vereinfacht gesagt wird geprüft, wie das Erdreich (innerhalb des geplanten Trassenverlaufs) beschaffen ist und wie bauliche Maßnahmen auf dem Untergrund umzusetzen sind. Untersucht wird der Boden auf verschiedene Art und Weisen, mit verschiedenem Gerät.

Kleinrammbohrungen, Ramm- und Drucksondierungen, Groß- und Kernbohrungen sind Begriffe, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind. In die Kategorie „Großgerät“ fällt mit Sicherheit ein panzerähnliches Fahrzeug mit Kettenlaufwerk aus dem Bereich der Drucksondierung. Mit einer Druckkraft von 20 Tonnen drückt das „wandelnde Häuschen“, wie Hillebrecht es augenzwinkernd nennt, eine kegelförmige Sonde mit kontinuierlichen Bewegungen in die Erde, um durch den dann gemessenen Eindringungswiderstand Erkenntnisse über die Beschaffenheit des Untergrundes zu erlangen. Bei den Arbeiten im Raum Eschershausen habe man eine durchaus abwechslungsreiche Erdbeschaffenheit vorgefunden, so Hillebrecht: „Tatsächlich ist es hier sehr variabel. Von klüftigen Sandsteinen, bei denen wir 100 Prozent Spülungsverlust verzeichnen, bis hin zu grauem Ton und auch Kalkstein haben wir schon alles rund um Eschershausen angetroffen.“

Angekündigt wurden die Bohrungen übrigens weit im Vorfeld der Arbeiten. Auf einer öffentlichen Informationsveranstaltung in Eschershausen schon im letzten Jahr konnten sich weit über 100 Bürger über die West-Umfahrung im Ganzen informieren. Geplante Bauabschnitte, Trassenverläufe, eben jene Bohrungen und weitere Maßnahmen bis hin zur Fertigstellung wurden den Bürgern präsentiert. Insgesamt sei bei der Öffentlichkeitsbeteiligung viel Wert auf Transparenz gelegt worden, betont Jens Homburg, beim Hamelner Geschäftsbereich mitverantwortlich für die Maßnahme. Im Rahmen der Baugrunduntersuchungen wurden Landwirte und andere Grundstückseigentümer angeschrieben, um sie auf die Arbeiten aufmerksam zu machen, sie über zeitliche Abläufe zu informieren und sie vor allem darüber aufzuklären, dass Schäden auf den Feldern, die eventuell durch Bohrungen verursacht wurden, entschädigt werden. Sprich, dass die Landwirte durch die Arbeiten keinen Nachteil erfahren.

„Offene und ehrliche Kommunikation“, so Homburg über die Vorgehensweise und Ziele der Planer, die auch im Bundesfernstraßengesetz verankert ist. Die in den letzten Wochen und Monaten gewonnenen Proben würden labortechnisch auf zum Beispiel mögliche Schadstoffe und Wasserdurchlässigkeit untersucht, so Homburg weiter. Erste Ergebnisse könnte es bald geben, zumindest was das Angerbachtal anbelangt. Eine ergebnisorientierte Zusammenfassung beziehungsweise einen genauen weiteren Ablaufplan dürfe man aber noch nicht erwarten, zumal auch noch nicht alle geplanten Bohrungen witterungsbedingt durchgeführt worden seien.

Wenn alles beisammen ist, werde man sich mit Gutachtern und mit der Zentrale der Landesbehörde in Hannover zusammensetzen, die Erkenntnisse auswerten und dann in die weitere Detailplanung gehen, erklärt Homburg weiter. Komplettiert wird die Ortsumfahrung durch die Nord-Ost-Trasse, die im baulichen Bereich schon einige Schritte weiter ist als die West-Umfahrung. Nach der Fertigstellung des Knotenpunktes West (der Kreisverkehr unmittelbar vor Eschershausen) und der Verlegung der B240 in Richtung Luerdissen werden die Arbeiten fortgesetzt. Aktuell laufen umfangreiche Erdarbeiten auf einer Länge von 520 Metern Länge, die direkt an den fertiggestellten Abschnitt anschließen.

Diese Erdarbeiten seien notwendig, um den Bau einer Brücke, die über den Wirtschaftsweg „Am Krümpel“ führen wird, vorzubereiten, heißt es von der Landesbehörde. Planmäßig wurden die Erdarbeiten über den Winter unterbrochen und sollen im Frühjahr bei besserer Witterung weitergeführt werden. Die Kosten für diesen Erdbauauftrag betragen knapp 2,3 Millionen Euro und werden vom Bund getragen.

Foto: NLStBV