Landkreis Holzminden (red). Wenn es um die eigene Sicherheit geht, haben ältere Menschen größere Ängste als jüngere, obwohl sie faktisch seltener betroffen sind. Doch in einigen Situationen leben die Senior*innen tatsächlich gefährlicher als Jüngere. Aus diesem Grund hat das Seniorenservicebüro des Landkreises Holzminden ehrenamtliche Sicherheitsberater*innen ausgebildet, die über Gefahren aufklären und wertvolle Tipps geben sollen. In turnusmäßigen Sitzungen tauschen die Berater*innen sich mit Polizei und anderen wichtigen Institutionen aus. In der letzten ging es um Opferhilfe, aktuelle Gefahren und den Seniorenrat. 

„Schwerpunkt der Arbeit von Sicherheitsberater*innen ist es, vor Risiken zu warnen und bei Bedarf weitere Hilfen zu vermitteln“, macht Silvia Kieven, die zusammen mit Elke Wünsche die gemeinsamen Netzwerkveranstaltungen organisiert, deutlich. Zentrales Thema des letzten Treffens war eine Vorstellung der Arbeit des Weißen Rings. Der bundesweit mit knapp 3.000 ehrenamtlichen Helfern aktive Verein kümmert sich um die Opfer von Straftaten. Denn die haben im rechtsstaatlichen System, wo Täterermittlung und Ahndung im Mittelpunkt stehen, ansonsten wenig Raum. „Wir sind die einzige Organisation, die schnelle Hilfe geben kann“, erklärt Werner Friedrich, seit zehn Jahren Leiter der Außenstelle Holzminden beim Treffen der Sicherheitsberater*innen in der Drehscheibe. Zusammen mit sechs weiteren Mitarbeitenden betreut Friedrich ständig rund 30 Opfer im Landkreis. Die häufigsten Fälle, mit denen der Weiße Ring auch im Landkreis Holzminden befasst ist, sind Opfer von häuslicher Gewalt, Betrugs- und Einbruchsdelikten. 

Konkret bedeutet das, Opfern von Straftaten Gesprächsangebote zu machen und ihnen in bei Bedarf rechtlichen oder traumatherapeutischen Beistand zu vermitteln. Wenn es beispielsweise ambulante psychologische Hilfe zu organisieren gelte, lasse die sich häufig schneller über den Weißen Ring arrangieren. „Wir sind letztlich Lotsen im Hilfenetz“, unterstreicht Friedrich. Aber auch die direkte Unterstützung durch die Helfenden des Weißen Rings bringe schon viel, das versicherten ihm im wieder Menschen, die er beraten habe. 

Auch bei finanziellen Notsituationen, die den Opfern aufgrund von Straftaten entstanden sind, hilft der Weiße Ring schnell und unbürokratisch. „Ich entscheide das nach Sachlage sofort“, sagt Werner Friedrich. Selbst finanziert sich der Weiße Ring über Spenden, Mitgliedschaften und manchmal auch Erbschaften. Alles gut also für die Opferhilfe, die in diesem Jahr ihr 45-jähriges Bestehen feiert? Nein, es braucht dringend Nachwuchs, und für den wirbt Werner Friedrich natürlich auch. 

Ein weiteres Thema des Treffens war auch die Arbeit des Holzmindener Seniorenrates. Vorsitzende Elke Leuckel klärte darüber auf, wie der für vier Jahre gewählte Senior*innenrat bei politischen Entscheidungsprozessen in der Stadt die Bedürfnisse und Rechte von älteren Menschen mit einzubringen versucht. Durch das Engagement des Rates sei es beispielsweise mittlerweile gelungen, an verschiedenen Stellen in der Stadt Defibrillatoren zu installieren oder Betreuungsvollmachten im Bürgerbüro auszulegen. Ab Anfang November bekommen übrigens rund 6.000 über 60-jährige Bürgerinnen und Bürger der Stadt Holzminden Post: Dann wird nämlich der Senior*innenrat neu gewählt. 

Polizeihauptkommissar Christian Rusniok vom Polizeikommissariat Holzminden fasste schließlich die aktuelle Situation aus polizeilicher Sicht im Hinblick auf im Landkreis häufig wiederkehrende Vergehen zusammen. Das Thema Schockanrufe, bei denen älteren Menschen Unfälle von Angehörigen vorgegaukelt werden, um an Geld zu kommen, beschäftigt die Polizei immer wieder. Mittlerweile, so Rusniok, habe man mit Fragen bedruckte Briefumschläge konzipiert, die auf mögliche Betrugsmaschen hinweisen sollen. Es ist geplant, die an Banken weiterzugeben. Bei höheren abgehobenen Beträgen könne das Geld dann darin ausgehändigt werden. Neben den Trickdiebstählen haben aber im Landkreis auch die Handtaschendiebstähle wieder zugenommen. Christian Rusniok appellierte an die Sicherheitsberater*innen, auf die Gefahren von in der Öffentlichkeit allein oder offen gelassenen Taschen aufmerksam zu machen. 

Das Thema „Aktuelle Betrugsmachen“ wird auch am Mittwoch, 27. Oktober um 10.30 Uhr noch einmal genauer behandelt. Dann referiert Hauptkommissar Rusniok auf Einladung des Seniorenservicebüros in der Drehscheibe noch einmal ausführlich darüber. Die Veranstaltung findet unter 2G-Bedingungen statt, angemeldet werden sollte sich unter Telefon-Nr. 0 55 31- 707 326 bis Freitag 22. Oktober. 

Foto: Landkreis Holzminden