Lenne (kp). Mit einer so großen Spendenbereitschaft habe niemand gerechnet, sagt Annika Keunecke. Nachdem gestern Vormittag in Lenne die ersten Spenden für die Hochwasseropfer in NRW und Rheinland-Pfalz angenommen wurden, müsse nun auch schon wieder die Reißleine gezogen werden. „Wir können vorerst keine Spenden mehr annehmen, da unsere Kapazitäten nahezu ausgelastet sind“, erklärt die 32-jährige Initiatorin des Spendenaufrufs. Innerhalb weniger Stunden seien bereits mehr als 50 Personen ihrem Aufruf gefolgt und mit zahlreichen Kleidersäcken und Kartons zur Sammelstelle nach Lenne gefahren. „Wir mussten zwischenzeitlich das Dorfgemeinschaftshaus als Lagerort wechseln und in die angrenzende Turnhalle ausweichen“, fügt sie hinzu.

Aus WhatsApp-Status wird Schneeballeffekt

Plötzlich ging alles ganz schnell: Als Annika Keunecke die Bilder der Flutkatastrophe im Fernsehen sah, wollte sie unbedingt tätig werden. „Ich bin selbst Mutter und man stellt sich dann vor, wie es der eigenen Familie in so einer Situation gehen würde“, sagt die Lennerin. Sie habe den Opfern des Hochwassers vor allem mit Kleidern und Hygieneartikeln helfen wollen. Schließlich habe sie den Kontakt zu Hans-Dieter Steenbock gesucht und sofort die Erlaubnis bekommen, im Dorfgemeinschaftshaus eine Sammelstelle einzurichten. „Wir bedanken uns bei Frau Keunecke für ihre tolle Initiative und haben unsere Räumlichkeiten selbstverständlich unmittelbar zur Verfügung gestellt“, sagt Bürgermeister Steenbock. Als Annika Keunecke dann mit ihrem WhatsApp-Status auf die Spendenmöglichkeit in Lenne aufmerksam machen wollte, nahm die Nachricht schnell Fahrt auf. „Irgendwie ist es plötzlich auf Facebook gelandet“, erinnert sie sich. Und als am Samstagnachmittag die ersten Spenden angenommen wurden, lockte es schlagartig immer mehr hilfsbereite Menschen - auch über die Kreisgrenzen hinaus - nach Lenne.

„Stehe mit Krisenstab in Ahrweiler in Kontakt“

Nun wartet die 32-Jährige auf den Marschbefehl. „Ich stehe mit dem Krisenstab in Ahrweiler in Kontakt“, sagt sie. Dort wisse man, dass in Lenne säcke- und kistenweise Spenden gesammelt wurden. „Wenn Nachschub benötigt wird, werden wir es umgehend in das Krisengebiet bringen“, fügt sie hinzu. Für den Transport sei schon gesorgt worden. Für die Annahme und Unterbringung fand sie zudem tatkräftige Unterstützung durch den Hausmeister Karl-Heinz Tito, seinem Sohn Michael und dem Nachbarn Henrich von der Heide.

Foto: Kai Pöhl