Holzminden (red). Torsten Maiwald, NABU Holzminden berichtet über die Entsorgung von Grünschnitt und gibt Anregungen zur Besserung. Viele können die strengen Regeln um die Beseitigung der im eigenen Garten anfallenden Pflanzenteile nicht nachvollziehen und entsorgen den Grünschnitt in der Natur. Die Zahl der Haufen von Rasen, Laub, Astschnitt und anderen pflanzlichen Dingen (kurz: Grünschnitt) nimmt in der Natur stetig zu. Ausschlaggebend für diese Zunahme war sicher auch die zurückgenommene entgeltfreie Entsorgung in den öffentlichen Sammelstellen.

Die Pflanzenabfälle gehören aber dennoch nicht in die Natur und werden vom Gesetzgeber als „Abfall“ bezeichnet.

Hier einige gute Gründe, warum das so ist und der Grünschnitt nicht einfach in die Natur gehört:

Die Natur ist ein feines Gefüge und Ineinandergreifen ganz vieler sensibler Prozesse und Organismen. Bereits auf 0,3 Kubikmeter Erdreich (1 m x 1 m x 30 cm) existieren im Schnitt 1,6 Billionen Lebewesen. Zum größten Teil mit bloßem Auge nicht sichtbar. Gärtner wissen um die Leistungen dieser Tiere, Algen, Bakterien und Pilze, denn sie machen sich diese zum Wohle ihrer Pflanzen zu Nutze.

Diese empfindlichen Gefüge werden durch den Eintrag von Pflanzenmaterial, welches dort nicht entstanden ist, durcheinandergebracht und Abbauprozesse gestört. Das kann die ohnehin bereits stark gestresste Natur unter Umständen vollständig aus ihrem Gleichgewicht bringen, was fatale Folgen für diese haben kann.

Diese Lebensgemeinschaften hängen von vielen Faktoren ab. Jedes Lebewesen hat bestimmte Anforderungen an seinen Lebensraum und eine kleine Abweichung davon, kann seinen Tod und das Aussterben seiner Art bedeuten. Fehlt eine Art, hat dieses wiederum Auswirkungen auf alle anderen Arten dieser Lebensgemeinschaft. Ein wichtiger Faktor für Bodenorganismen ist der sogenannte pH-Wert. Allein dieser kann durch das Aufbringen von zusätzlichem Grünschnitt bereits verändert werden.

Häufig werden aus den Gärten zudem Pflanzen nichteinheimischer Arten in die Natur verbracht. Bei einigen reicht ein winziges Pflanzenstück aus, um daraus neues Leben zu erwecken. Von ausgebrachten Samen ganz zu schweigen. Diese in die Natur eingebrachten neuen Arten haben massive Auswirkungen auf einheimische Pflanzen des Standortes, konkurrieren mit diesen um Nähstoffe, Wasser und Licht und können diese im schlimmsten Fall komplett verdrängen.

Mit einigem Grünschnitt verbringt man zudem unbewusst Krankheitserreger und Schädlinge in die Natur, die dort natürlich ebenso ihrer Arbeit nachgehen und die Natur zusätzlich stressen.

In vielen Grünschnitthaufen findet man zudem nicht abbaubaren Müll, wie Plastik, der nichts in der Natur zu suchen hat und auch für größere Tiere gefährlich sein kann. Diese Problematik ist den meisten Menschen durch Berichte aus den Ozeanen meist ganz gut bekannt.

Unabhängig von all diesen schwerwiegenden Folgen für die Natur, sieht es einfach nur schäbig aus, was zumindest denjenigen auffallen dürfte, die sich auch noch in der Natur bewegen.

Alles in allem ist Pflanze also nicht gleich Pflanze und Grünschnitt jeglicher Art gehört definitiv nicht in die Natur.  Um etwas Gutes zu tun, kann man den Garten auch unordentlich lassen, Totholz schichten oder Reisighaufen machen. Laubhaufen sind ebenfalls gut und Pflanzenteile mit Sämereien können ebenfalls über den Winter bleiben. Diese Maßnahmen bieten unzähligen Tierarten Nahrung, Unterschlupf und Lebensraum.

Foto: Symbolbild