Hameln (red). Unter dem Parkplatz des BHW an der „Springer Landstraße“ in Hameln könnte ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen. Darauf weist ein Verdachtspunkt hin, der bei der routinemäßigen Auswertung historischer Luftbilder entdeckt wurde. Die Stadt Hameln hat darüber informiert, dass der Bereich nun weiter untersucht werden muss.
Die Luftbildauswertung erfolgte im Vorfeld geplanter Bauarbeiten für eine Photovoltaikanlage. Auf den historischen Aufnahmen seien zahlreiche Bombentrichter zu erkennen gewesen. Diese Bereiche gelten nach Angaben der Stadt als unkritisch, da die dort niedergegangenen Bomben bereits detoniert seien.
Verdachtspunkt in rund elf Metern Tiefe
Auf dem rund 3,6 Hektar großen Areal gebe es jedoch eine Stelle, an der sich nicht eindeutig feststellen lasse, ob dort eine Fliegerbombe eingeschlagen und nicht explodiert sei. Der Verdachtspunkt liege etwa zehn bis elf Meter tief unter der Mitte der Parkplatzfläche.
„Bei dem weiterhin bestehenden Verdachtspunkt handelt sich ausdrücklich nur um einen Verdacht – ob dort tatsächlich ein Blindgänger liegt, ist derzeit nicht gesichert“, erklärte Oberbürgermeister Claudio Griese. Bei ersten Untersuchungen durch eine Spezialfirma hätten Sonden allerdings deutlich ausgeschlagen und auf metallische Strukturen im Boden hingewiesen.
Um Klarheit zu gewinnen, sollen nun weitere Untersuchungen erfolgen. Ab dem 12. März wird eine Fachfirma eine Spundwand in den Boden einpressen. Dieses Verfahren müsse möglichst erschütterungsfrei erfolgen. Ab dem 1. April soll anschließend eine Baugrube ausgehoben werden, damit der Kampfmittelbeseitigungsdienst eine technische Vorerkundung durchführen kann. Ziel ist es, den Verdachtspunkt bis auf eine letzte Erdschicht freizulegen.
Nach Angaben der Stadtverwaltung könnte diese Vorerkundung um den 10. April abgeschlossen sein. „Bis dahin besteht kein Anlass zur Sorge“, betonte Griese. Alle Schritte würden routinemäßig und mit großer Sorgfalt durchgeführt.
Evakuierung für den Ernstfall vorbereitet
Sollte sich der Verdacht auf eine nicht detonierte Weltkriegsbombe bestätigen, müsste der Blindgänger entschärft werden. Für diesen Fall bereitet die Stadt vorsorglich eine größere Evakuierung vor. Als möglicher Termin für eine Entschärfung wird derzeit Sonntag, 26. April, genannt.
Im Umkreis von etwa einem Kilometer um den Fundort müssten dann nach ersten Schätzungen rund 3.100 Einwohnerinnen und Einwohner ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Auch Verkehrsmaßnahmen wären erforderlich: Die B 217 und die B 1 müssten gesperrt werden, zudem würde der Zugverkehr auf der angrenzenden Bahnstrecke vorübergehend eingestellt.
Die Stadt Hameln bereitet sich bereits auf ein solches Szenario vor. Der Stab Außergewöhnliche Ereignisse koordiniert nach Angaben der Verwaltung die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen. Zudem ist eine Sammelunterkunft für betroffene Bürgerinnen und Bürger geplant.
Aktuelle Informationen zum Blindgänger-Verdacht stellt die Stadt unter www.hameln.de sowie über ihre Social-Media-Kanäle bereit. Ab Donnerstag soll zudem ein Bürgertelefon unter der Nummer 0800/4263565 eingerichtet werden, erreichbar montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr.