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Freitag, 24. April 2026 Mediadaten Fankurve
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Archivfoto aus dem Jahr 2001.

Höxter (red). Mehr als drei Jahrzehnte lang blieb die Identität einer im Godelheimer See bei Höxter gefundenen kopflosen Frauenleiche ungeklärt. Nun hat die Bielefelder Cold-Case-Einheit einen entscheidenden Durchbruch erzielt. Mithilfe moderner DNA-Analyseverfahren konnte die Tote als eine 25-jährige Frau identifiziert werden, die 1988 aus Höxter verschwand. Die Ermittler gehen nach aktuellem Stand nicht mehr von einem Verbrechen aus, sondern von einem Suizid. Der Fall hatte die Ermittler über Jahrzehnte beschäftigt. Erst Anfang 2026 nahmen die Untersuchungen neue Fahrt auf, als sich die Polizei gezielt an die Öffentlichkeit wandte. Mehrere Hinweise gingen daraufhin ein, doch entscheidend war die Erinnerung einer ehemaligen Mitschülerin der Vermissten. Sie meldete sich bei der Polizei und stellte den Bezug zu einer jungen Frau her, die 1988 während ihrer Ausbildung an einer Krankengymnastikschule in Höxter plötzlich verschwunden war, wie von der Polizei zu erfahren war.

Durchbruch durch DNA-Abgleich

Die entscheidende Verbindung ergab sich durch bereits vorhandenes DNA-Material. Im Zuge eines anderen Vermisstenfalls war dem Bruder der Toten, Martina Sch., schon vor einiger Zeit eine Speichelprobe entnommen worden. Dieses DNA-Profil wurde den Ermittlern in Bielefeld zur Verfügung gestellt. Bereits beim ersten Abgleich zeigten sich deutliche Übereinstimmungen mit den genetischen Daten der bislang unbekannten Toten. Ein spezialisiertes Institut für forensische Molekulargenetik wurde daraufhin mit einer detaillierten Untersuchung beauftragt. Das Ergebnis brachte schließlich Gewissheit: Die unbekannte Tote aus dem Godelheimer See und die Vergleichsperson sind Geschwister. Damit konnte die Identität der Frau zweifelsfrei geklärt werden.

Übereinstimmung der Merkmale und neue Erkenntnisse

Auch die äußeren Merkmale stimmten überein. Die rekonstruierten genetischen Eigenschaften der Toten, darunter Körpergröße, Augenfarbe, Haarfarbe und Hauttyp, entsprachen exakt der Beschreibung der seit 1988 vermissten jungen Frau. Martina Sch. war damals 1,70 Meter groß, hatte blaue Augen und mittelblondes Haar. Die Ermittlungen ergaben zudem neue Erkenntnisse zu den Umständen ihres Verschwindens. Die 25-Jährige hatte am 28. September 1988 ihre Wohngemeinschaft in Höxter verlassen und eine kurze Notiz hinterlassen, die heute als Abschiedsbrief gewertet wird. Nach intensiver Prüfung des damaligen Vermisstenfalls und Gesprächen mit Kontaktpersonen gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass kein Gewaltverbrechen vorliegt.

Neubewertung der Fesselspuren

Auch ein lange als verdächtig geltendes Detail konnte in diesem Zusammenhang neu bewertet werden: die Fesselspuren an den Beinen der Toten. Diese seien, so die Ermittler, kein zwingender Hinweis auf Fremdeinwirkung. Vielmehr könnte das verwendete Paketband dazu gedient haben, ein Gewicht am Körper zu befestigen oder die eigene Bewegungsfähigkeit beim Gang ins Wasser einzuschränken. Mit der Klärung des Falls endet eine jahrzehntelange Ungewissheit – insbesondere für die Angehörigen. Die Polizei betont, wie wichtig es sei, Hinterbliebene persönlich über solche Entwicklungen zu informieren. Neben der Trauer über den Verlust spiele dabei häufig auch Erleichterung eine Rolle, endlich Gewissheit zu haben.

Der Fall von 2001

Der nun aufgeklärte Fall hatte seinen Ursprung im Mai 2001, als Taucher im Godelheimer See auf menschliche Überreste stießen. Was zunächst als Routineübung begann, entwickelte sich schnell zu einem der rätselhaftesten Kriminalfälle der Region. In etwa sechs Metern Tiefe entdeckten sie stark verweste Körperteile, darunter Knochen des Beckens und der Beine. Die Identifizierung gestaltete sich damals äußerst schwierig. Weder Geschlecht noch Identität der Leiche konnten zunächst festgestellt werden. Erst rechtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass es sich um eine Frau handelte. Eine eigens eingerichtete Mordkommission nahm die Ermittlungen auf, doch trotz intensiver Bemühungen blieb der Fall ungelöst. Hinweise auf ein mögliches Verbrechen gab es, doch konkrete Spuren fehlten. Auch eine mögliche Verbindung zu einem vermissten Mann aus der Region konnte ausgeschlossen werden. Die Ermittlungen verliefen schließlich im Sande, und der Fall geriet über Jahre hinweg in Vergessenheit.

Neue Technik bringt Aufklärung

Erst mit der Einrichtung spezieller Cold-Case-Einheiten und dem Fortschritt in der Forensik rückte der Fall wieder in den Fokus. Moderne DNA-Analysen ermöglichten neue Ansätze, die zuvor nicht zur Verfügung standen. Dennoch blieb die Identität der Toten lange ungeklärt. Die Ungewissheit nährte zahlreiche Spekulationen. Da keine Vermisstenmeldung eindeutig zugeordnet werden konnte, wurde zeitweise vermutet, die Tote habe keine Angehörigen oder sei möglicherweise sozial isoliert gewesen. Auch diese Annahmen erwiesen sich nun als unzutreffend. Mit der Identifizierung von Martina Sch. ist eines der größten Rätsel des Falls gelöst. Auch wenn viele Fragen zu den genauen Umständen ihres Todes offenbleiben, gilt der Fall aus Sicht der Ermittler als abgeschlossen. Die Kombination aus öffentlicher Mithilfe und moderner Kriminaltechnik hat damit nach Jahrzehnten doch noch zur Aufklärung beigetragen.

Foto: Thomas Kube

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