Holzminden/Höxter (ber/mhn). Die Weser hat an der Messstation in Höxter einen neuen historischen Niedrigstand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. Nach Angaben der „Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes“ liegt der Pegel nur noch bei 51 Zentimetern. Damit wurde der bisherige Tiefstwert von 54 Zentimetern aus dem Jahr 2022 unterschritten.
Noch im Juli hatte der Pegel der Weser in diesem Bereich zeitweise bei bis zu 1,20 Metern gelegen. Inzwischen macht sich das anhaltende Niedrigwasser auch unmittelbar im Landkreis Holzminden bemerkbar.
Fährbetrieb in Polle komplett eingestellt
Nachdem die Fähre in Polle seit dem 24. Juli nur noch Kraftfahrzeuge mit einem Maximalgewicht von 7,5 Tonnen transportieren konnte, wurde der Fährbetrieb am Freitag komplett eingestellt.
„Bei dem aktuellen Pegelstand sind die Gegebenheiten vor Ort entscheidend, denn dann kommt es darauf an, ob Ablagerungen und Sandbänke ein sicheres An- und Ablegen der Fähre noch ermöglichen. (…) Erfahrungsgemäß ist das spätestens bei einem Pegelstand um die 75 Zentimeter der Fall“, erklärte der Landkreis Holzminden vor wenigen Tagen auf Nachfrage der Weser-Ith News. Dieser kritische Pegelstand in Bodenwerder ist mittlerweile erreicht, sodass kein Fährbetrieb stattfinden kann.
Für Pendler, Urlauber und Landwirte bedeutet dies einen Umweg über Holzminden oder Bodenwerder, der wertvolle Zeit und Geld kostet.
Talsperren spielen wichtige Rolle für den Weserpegel
Eine entscheidende Rolle spielt die in Nordhessen gelegene Edertalsperre – eine der größten Talsperren Deutschlands – ebenso wie die Diemeltalsperre. Beide Talsperren ermöglichen eine Regulierung des Pegels in der Weser.
Die anhaltende Trockenheit mit sommerlich heißen Temperaturen in diesem Jahr hat dazu geführt, dass bereits früher im Jahr viel Wasser aus der Edertalsperre abgegeben werden musste, um den Pegel der Weser aufrechtzuerhalten.
Aktuell befinden sich nur noch knapp 30 Millionen Kubikmeter Wasser in der Talsperre. Das entspricht einem Füllstand von gerade einmal 15 Prozent. Gemäß dem berechneten Mittelwert aus den Jahren 1991 bis 2020 müssten sich zu diesem Zeitpunkt des Jahres jedoch rund 110 Millionen Kubikmeter Wasser in der Talsperre befinden.
Aufgrund des geringen Füllstands wird deshalb nur noch die Mindestmenge an Wasser in die Weser abgegeben – mit Folgen für die Schifffahrt und den Landkreis Holzminden.
Geringer Pegelstand täuscht eine Sicherheit vor, die nicht besteht
Über die Gefahren, die die Weser trotz Niedrigwassers birgt, sprachen die Holzminden News kürzlich mit der DLRG Holzminden. „Viele Menschen verbinden einen niedrigen Wasserstand mit einem geringeren Risiko. Die Strömung kann selbst bei niedrigem Wasserstand erheblich sein und verändert sich durch Engstellen oder Untiefen teilweise sogar“, berichtet Niko Stille, 2. Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe Holzminden e. V.
Einen ausführlichen Bericht zu den aktuellen Gefahren in der Weser gibt es hier.

Niedrigwasser verändert Bedingungen für Kanufahrer
Das Kanufahren auf der Weser ist anspruchsvoller geworden. Routen müssen anders geplant und teilweise verkürzt werden. Kleine Flüsse sind zum Teil gar nicht befahrbar. Das stellt auch den Kanu-Klub Holzminden e. V. vor Veränderungen.
„Niedrigwasser ist nicht automatisch gefährlicher für uns, aber es verändert die Art der Risiken. Flache Passagen können Boote abrupt abbremsen oder seitlich versetzen. Hindernisse wie Steine, Wurzeln oder alte Buhnen liegen früher frei und müssen aktiv umfahren werden. Mit Umsicht und Erfahrung bleibt das Paddeln zumindest auf der Weser aber sicher“, berichtet Carola Titze, 2. Vorsitzende des Kanu-Clubs.
Mehr Verschleiß an Booten und Anlegern
Trotzdem geht das Fahren auf der flachen Weser nicht spurlos an den Gerätschaften vorbei: „Boote und Paddel bekommen häufiger Kontakt mit dem Untergrund, was zu mehr Verschleiß führt. Gleiches gilt für einige Anleger entlang der Weser, die unbenutzbar oder beschädigt werden, weil sie nicht mehr frei schwimmen und Grundberührung haben, der Holzmindener Anleger des KKH ist davon auch betroffen“, schließt Titze ab.
Fotos: ber