Neuhaus (mhn). Eine Evakuierung von 75 Haushalten, eine weiträumige Teilsperrung des Ortes, der Einsatz des Kampfmittelräumdienstes und eine kontrollierte Sprengung von sechs Panzerfaustköpfen: Die dramatischen Bilder aus Neuhaus vom 12. März dieses Jahres sind noch immer präsent. Ein Baggerfahrer stieß damals bei Erdarbeiten auf die explosiven Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein halbes Jahr später ruhen die Arbeiten weiterhin – doch aus welchem Grund?
Stadt rechnete zunächst nicht mit Verzögerungen
Ende März ordnete die Stadt Holzminden eine flächendeckende Sondierung des Baufeldes auf weitere Kampfmittel an. Zum damaligen Zeitpunkt ging die Stadtverwaltung – unter der Annahme einer Wiederaufnahme der Arbeiten bis Mitte April – davon aus, dass keine Verzögerungen des geplanten Bauverlaufs entstehen würden. Die eigentlichen Bauarbeiten hätten ohnehin erst im Juni starten sollen – zuvor wären nur Erdarbeiten zu erledigen gewesen.
Im Juli wurden die Sondierungsmaßnahmen dann abgeschlossen, sodass anschließend die Räumung der Funde eingeplant war. Die Räumungsmaßnahmen nahmen jedoch mehr Zeit in Anspruch als ursprünglich geplant.
Auch Anfang September kein Baufortschritt erkennbar
Zwei Monate später – Anfang September – ist weiterhin kein Baufortschritt zu erkennen. Auf Nachfrage der Redaktion erklärt die Stadt Holzminden: „Aufgrund der ungeplanten und erheblichen Munitionsfunde auf dem Grundstück hat die Stadt Holzminden ein Fachbüro damit beauftragt, die Archive der Wehrmacht und der Alliierten auf weitere Hinweise zu möglichen Kampfmittelbelastungen des Grundstücks zu untersuchen.“
Mehr als 80 Kilogramm Munition auf dem Grundstück gefunden
Die zuvor beauftragte Firma Tauber hatte nach Angaben der Stadt Holzminden „umfangreiche Munitionsfunde“ gemacht.
„Mittlerweile wurden dort mehr als 80 Kilogramm Munition aufgefunden. Aufgrund des Ausmaßes der Funde konnte die Firma Tauber die Munitionsbeseitigung in diesem Umfang nicht mehr selbst leisten“, führt die Stadt Holzminden weiter aus.
Daraufhin hatte die ausführende Firma ausdrücklich empfohlen, die Archive der Wehrmacht und der Alliierten zu prüfen, um weitere Anhaltspunkte über mögliche Kampfmittel auf dem Grundstück zu erhalten.
Recherche in Archiven soll weiteres Vorgehen ermöglichen
„Auf dieser Grundlage soll das weitere Vorgehen bei der Räumung gezielter und effektiver geplant werden können“, heißt es aus der Stadtverwaltung.
Eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten ist demnach erst möglich, wenn die Recherchearbeiten abgeschlossen sind und der Stadt Holzminden die entsprechenden Ergebnisse vorliegen. Nach Angaben der Verwaltung sollen die Recherchearbeiten im November abgeschlossen sein.