Holzminden (haa). „Eure Stimme, Euer Projekt“ – es scheint, als stünde der Jugendplatz genau unter diesem Motto. Am vergangenen Mittwoch feierte das Jugendzentrum gemeinsam mit Vertretern aus der Politik und den lokalen Spendern den neuen Platz vor dem Zentrum, der zum Austausch und Verweilen einlädt. Die Einweihung fiel zudem auf einen sehr passenden Tag – den Internationalen Tag der Jugend –, denn die Jugendlichen standen bei diesem Projekt im Vordergrund. „Jede Generation braucht einen Platz“, so der Holzmindener Bürgermeister Christian Belke in seiner Rede zur Einweihung des zweiten Jugendplatzes. Damit bringt er zugleich die Bedeutung des Projekts auf den Punkt.
Wunsch nach einem zweiten Treffpunkt
Auf dem Platz ist ein großer Container mit Sitzbänken und einer großen Tischtennisplatte zu sehen. Der Boden wurde speziell für dieses Projekt asphaltiert. Alles begann mit dem Wunsch der Jugendlichen, noch einen zweiten Platz für ein Zusammenkommen gestalten zu dürfen. Während sich der erste seit 2022/23 an der „Uferstraße“ befindet, wollte man sich nun der Fläche direkt vor dem Jugendzentrum widmen. „Vorher sah es hier ziemlich langweilig und nicht einladend aus, der Platz brauchte etwas Veränderung“, so die Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt, Julia Rentziehausen.
Jugendbeteiligung steht im Mittelpunkt
Doch nicht nur der Platz, sondern auch der Umgang mit Jugendlichen müsse sich verändern. Denn der neue Platz steht symbolisch für jugendliche Teilhabe. „Das kommt in der heutigen Gesellschaft oft zu kurz. Es ist wichtig, dass man jungen Menschen das Gefühl gibt, gehört zu werden und auf ihre Bedürfnisse einzugehen“, betont Rentziehausen. Dabei spielen Vertrauen und Transparenz eine Rolle. „Manchmal verzögern sich Dinge oder Sachen funktionieren nicht so, wie gedacht. Dann sind offene Kommunikation und Transparenz von Bedeutung. Man muss die Jugendlichen mitnehmen.“
Erwachsenen falle es schwer, richtig auf die Wünsche von jungen Menschen zu achten. Zu weit gingen meist die altersbedingten Bedürfnisse auseinander. Im Jugendzentrum sei dies anders. Hier lege man Wert darauf, gegenteilige Akzente zu setzen und ein Ohr am Puls der Jugendlichen zu haben.
Rund 50 junge Menschen brachten sich ein
Rund 50 junge Menschen im Alter von 14 bis 22 Jahren waren von Beginn an am Prozess beteiligt. Der Betrieb im Jugendzentrum sei abwechslungsreich und jeden Tag seien andere Kinder im Zentrum, die bei der Ausgestaltung mitgewirkt hätten. „So haben wir eine tolle Bandbreite an Meinungen eingefangen“, so Rentziehausen.
Anderthalb Jahre dauerte die Umsetzung – von der ersten Skizze bis zur praktischen Ausgestaltung des Platzes. Ein großer Wunsch der Jugendlichen war eine überdachte Sitzgelegenheit. Die Wände des Containers sollten in einem bunten 90er-Jahre-Graffiti-Look leuchten. Hierfür hat Praktikant Noah diverse Motive vorgezeichnet, die am Tag der Einweihung mit Spraydosen auf den Container gesprüht wurden. Mit Unterstützung durften sich auch die Jugendlichen am „Sprayen“ probieren.
Eigener Raum für Begegnungen
Denn wie in jeder Generation möchten Jugendliche einen Raum, in dem sie sich ohne Probleme aufhalten und mit anderen ihres Alters in Kontakt treten können. „Das ist wichtig für die eigene Entwicklung“, meint Rentziehausen. Ohne feste Plätze wie diese könne es beim Aufenthalt in anderen Bereichen der Stadt zu Konflikten mit Anwohnern oder Eigentümern kommen. Dieses Problem werde durch Projekte wie dieses umgangen.
Chayenne (18), Kim (22) und Aaron (16) freuen sich sehr über den neuen Jugendplatz und sind dankbar für die Unterstützung des Teams des Jugendzentrums rund um Julia Rentziehausen, Thomas Weßler, Jannis Fiedler und Praktikant Noah. „Wir fühlen uns hier wirklich gesehen und gehört. Es ist schön, und wir haben jetzt so einen coolen Platz, um gemeinsam Zeit zu verbringen“, sind sich die drei einig.
Zusammenarbeit von Politik und Sozialarbeit
Auch Bürgermeister Christian Belke schätzt die Arbeit des Jugendzentrums sehr. „Es ist ein tolles Team, das eine exzellente Arbeit macht, und wir haben ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zueinander.“ Die Zusammenarbeit von Politik und Sozialarbeit sei für die Stadt von großer Relevanz, denn hier könnten wichtige Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Jugend gewonnen werden.
„Die Verwaltung und der Stadtrat haben es sich auf die Fahne geschrieben, genau dort für die Jugendlichen da zu sein, wo Bedarf herrscht“, sagt Belke. Besonders in heutigen Zeiten, die von sozialen Medien geprägt seien, müsse sich dem Wunsch junger Menschen nach persönlichem Zusammenkommen angenommen und dieser im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden. Auch die Bleibeperspektive junger Menschen spiele dabei eine Rolle. „Natürlich ist es schön, wenn auch junge Menschen die Stadt Holzminden für attraktiv halten und auch langfristig hierbleiben möchten“, findet Belke.
Weitere Angebote für Jugendliche
Die Stadt Holzminden habe mit einem Skaterpark, einem Jugendplatz an der „Uferstraße“ und nun auch einem Platz am Jugendzentrum Grundsteine gesetzt – derselben Meinung ist auch Rentziehausen. „Man merkt, dass hier in Holzminden eine große Bereitschaft da ist, etwas für Jugendliche zu tun – in der Politik, aber auch bei den lokalen Vereinen.“
Denn auch diese waren maßgeblich an der praktischen Umsetzung beteiligt. Neben der anteiligen Förderung der Kreisjugendpflege bekam das Projekt auch finanzielle Unterstützung in Form einer Spende vom Lions Club Holzminden, der auch die Tischtennisplatte bereitstellte.
Vereine unterstützen das Projekt
Die Heinser Fittschen, ein gemeinnütziger Verein, spendeten den Jugendlichen Sitzbänke aus Holz mit einer Gravur des Vereinsnamens. „Durch eine Motorradtour durch Barcelona hatten wir ein Spendenkonto für Charity-Projekte. Das Geld wollen wir für coole Aktionen spenden“, so Vereinsmitglied Björn Jerusalem.
Nach einem Gespräch mit Christian Belke seien sie auf den Plan, einen neuen Jugendplatz zu errichten, aufmerksam geworden. Es hätten noch Sitzmöglichkeiten gefehlt. „Wir waren direkt begeistert von der Idee und haben die Bänke von Gerd Schoppe aus Boffzen herstellen lassen, um die beiden Garnituren zu spenden.“
Dank an alle Beteiligten
Bürgermeister Christian Belke und das Team des Jugendzentrums dankten abschließend allen Beteiligten, die dieses Projekt überhaupt möglich gemacht haben. Von nun an können es sich Jugendliche am Zentrum gemütlich machen und gemeinsam Spaß haben. „Wir hoffen, dass der Platz noch bunter wird und sich die Jugendlichen hier wohlfühlen“, wünscht sich Rentziehausen.




Fotos: haa