Bevern (red). Wie lässt sich jungen Menschen vermitteln, warum biologische Vielfalt weit mehr ist als eine möglichst lange Liste seltener Tier- und Pflanzenarten? Und wie kann man verständlich machen, dass Natur die Grundlage des eigenen Lebens ist? Diesen Fragen widmete sich ein besonderer Umweltvormittag an der Oberschule Bevern. Zu Gast war der Naturfotograf und Buchautor Guido Meyer, der mit eindrucksvollen Bildern, persönlichen Erfahrungen und anschaulichen Beispielen ökologische Zusammenhänge für die Schülerinnen und Schüler greifbar machte.
„Naturdigital macht Schule“ entsteht aus Anregungen zum Buch
Die Idee für den Schulbesuch entstand nicht zuletzt durch zahlreiche Rückmeldungen zu Meyers Buch „Kulturlandschaft – Die Logik hinter dem Artenverlust“. Immer wieder war der Wunsch geäußert worden, die darin beschriebenen Zusammenhänge müssten stärker Eingang in die schulische Bildung finden. Aus dieser Anregung wurde nun Wirklichkeit, denn „Naturdigital macht Schule“.
Dabei ging es Meyer nicht darum, den Jugendlichen lediglich Fakten zu präsentieren. Vielmehr wollte er sie dazu bringen, selbst Zusammenhänge zu erkennen, Fragen zu stellen und den eigenen Blick auf Natur und Landschaft zu hinterfragen.
Was bedeutet Natur eigentlich?
Bereits die scheinbar einfache Frage, was Natur eigentlich ist, führte mitten in das Thema. Die Antworten der Schülerinnen und Schüler reichten weit über Wald, Wiese und Bäume hinaus. Genannt wurden auch Leben, Wasser und die Luft zum Atmen. Damit war ein entscheidender Ausgangspunkt gefunden. Natur ist keine Kulisse außerhalb des Alltags, sondern stellt jene Lebensgrundlagen bereit, von denen auch der Mensch vollständig abhängig ist.
Besonders anschaulich wurde dies bei der Beschäftigung mit den vielfältigen Vernetzungen innerhalb von Ökosystemen. Mithilfe eindrücklicher Visualisierungen wurde sichtbar, dass Arten, Lebensräume und ökologische Prozesse nicht isoliert nebeneinander existieren, sondern in komplexen Beziehungen miteinander verbunden sind.
Biodiversität bedeutet mehr als Artenvielfalt
Biodiversität bedeutet deshalb weit mehr als Artenzahl, denn entscheidend ist auch das funktionierende Zusammenspiel innerhalb eines Ökosystems.
Von dort führte der Weg zu der Frage, wie sich unsere intensiv genutzte Kulturlandschaft von naturnäheren Ökosystemen unterscheidet und welche Folgen menschliche Eingriffe haben können. Bestehende Formen der Landnutzung und des Umgangs mit Natur wurden dabei nicht pauschal bewertet, sondern kritisch und differenziert betrachtet.
Ebenso wichtig waren mögliche Lösungen hinsichtlich der Fragen, wie sich menschliche Nutzung und ökologische Funktionsfähigkeit besser miteinander verbinden lassen, wo Natur mehr Raum für eigene Entwicklungen braucht und welche Verantwortung eine Gesellschaft trägt, deren Konsum und Lebensweise zunehmend Einfluss auf Ökosysteme nehmen.
Begegnungen mit Wölfen sorgen für großes Interesse
Dass Naturschutz nicht nur aus Diagrammen und wissenschaftlichen Erkenntnissen besteht, zeigten Meyers persönliche Erfahrungen als Naturfotograf. Besonders seine Schilderungen von Begegnungen mit Wölfen in freier Natur sorgten für großes Interesse und zahlreiche Fragen. Dabei wurde deutlich, wie sehr unmittelbare Naturerfahrungen dazu beitragen können, Bilder und Vorstellungen über Wildtiere zu hinterfragen.
Am Ende des Vormittags stand deshalb nicht allein zusätzliches Wissen, sondern vor allem die Erkenntnis, dass, wer Natur schützen will, zunächst sie selbst und ihre Funktionsweise verstehen muss. Erst wenn ökologische Zusammenhänge sichtbar werden, lässt sich auch erfassen, was durch den Verlust von Lebensräumen, Arten und natürlichen Prozessen auf dem Spiel steht.
Umweltbildung soll zum eigenen Denken anregen
Gerade deshalb sollte „Naturdigital macht Schule“ keine einmalige Veranstaltung bleiben. Umweltbildung kann jungen Menschen nicht vorschreiben, was sie denken sollen. Sie kann ihnen aber das Wissen vermitteln, Zusammenhänge selbst zu erkennen, bestehende Systeme kritisch zu hinterfragen und Lösungen zu beurteilen.
Denn Veränderung beginnt mit Erkenntnis. Und vielleicht beginnt etwas Entscheidendes genau dort, wo es langfristig am meisten bewirken kann, nämlich in den Köpfen der nächsten Generation.

Fotos: OBS Bevern