Höxter (TKu). Dass in Godelheim an diesem Tag schnelle Zeiten möglich waren, zeichnete sich bereits vor dem ersten Start ab, wenn man sich die Starterliste vorab einmal genauer angesehen hatte. Zu den Startern gehörte auch ein amtierender Ironman-Europameister. Mit knapp 300 Einzelstartern und 50 Staffeln verzeichnete die Veranstaltung einen neuen Teilnehmerrekord. Bei besten äußeren Bedingungen entwickelte sich anschließend auch sportlich ein Rennen, das den hohen Erwartungen gerecht wurde. Im Männerwettbewerb war die Favoritenliste lang. 20 Kilometer auf dem Rad lagen hinter Jonathan Disselhoff, als er beim 7. Weserbergland-Triathlon zunächst ganz oben in der Gesamtwertung lag. Der Lokalmatador hatte auf seiner Paradedisziplin alles aus sich herausgeholt und seinen großen Konkurrenten Christoph Mattner auf Abstand gehalten. Doch fünf Kilometer Laufen sollten das Klassement noch einmal komplett verändern. Der Schweriner zündete auf der letzten Disziplin den Turbo, überholte Disselhoff und holte sich nicht nur den Gesamtsieg, sondern stellte mit 57:01 Minuten auch einen neuen Streckenrekord auf.
Für Mattner war der Erfolg am Godelheimer See ein gelungener Härtetest vor seinem Saisonhöhepunkt bei der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. Disselhoff musste sich wie schon in den beiden Vorjahren mit Platz zwei begnügen, darf sich aber ebenfalls auf einen großen internationalen Auftritt freuen: Am kommenden Wochenende startet er bei der Weltmeisterschaft über die Halbdistanz in Nizza. Christoph Mattner ist amtierender Ironman-Europameister der Altersklasse M35. Er gehörte ebenso zu den Topfavoriten wie Jonathan Disselhoff vom TriTeam aus Wehrden. Mit Roman Reeschke aus Paderborn war zudem der zweimalige Gesamtsieger am Start.
Bei einer solchen Besetzung schien ein neuer Streckenrekord durchaus möglich. Tatsächlich sollte die bisherige Bestmarke am Ende Geschichte sein. Bis dahin musste Mattner allerdings erst einmal einen Rückstand wettmachen. Denn beim Schwimmen gab zunächst Alexander Klaus vom TriTeam Wehrden das Tempo vor. Der erfahrene Freiwasserschwimmer absolvierte die 700 Meter im Godelheimer See in 9:28 Minuten und kam als Erster aus dem Wasser. Im Ziel durfte er sich über Rang acht in der Gesamtwertung freuen.
Nur wenig später folgten Roman Reeschke und Christoph Mattner. Auch Benjamin Krog, Vereinschef des SSV Wehrden und Initiator des TriTeams, sowie Jonathan Disselhoff knackten die Zehn-Minuten-Marke. Auf dem Fahrrad zeigte Disselhoff anschließend, warum er zu den stärksten Athleten des Feldes gehört. Für die 20 Kilometer benötigte er gerade einmal 28:17 Minuten, die schnellste Radzeit des gesamten Rennens. Damit setzte sich der Wehrdener an die Spitze. Nach zwei zweiten Plätzen in den vergangenen Jahren schien für Disselhoff nun tatsächlich der große Coup möglich. Doch noch war das Rennen längst nicht entschieden.
Mattner hatte seine stärkste Waffe noch nicht ausgespielt. Auf der fünf Kilometer langen Laufstrecke machte der Schweriner schließlich den entscheidenden Unterschied. Mit 17:29 Minuten lief er mit großem Abstand die schnellste Zeit des Tages und nahm Disselhoff die Führung wieder ab. Der Lokalmatador wusste genau, wo er den entscheidenden Unterschied hätte machen müssen. „Ich wusste, dass Christoph der viel bessere Läufer ist. Da hätte ich auf dem Rad schon einen noch größeren Vorsprung herausfahren müssen“, analysierte Disselhoff nach dem Zieleinlauf. Zum dritten Mal hintereinander stand für ihn damit Platz zwei zu Buche. Einen Grund zur Enttäuschung gab es dennoch kaum: Mit seiner Zeit von 58:52 Minuten wäre er im Vorjahr noch als Sieger ins Ziel gekommen.
Mattner knackt den Streckenrekord: Christoph Mattner war diesmal sogar noch einmal deutlich schneller. Nach 57:01 Minuten überquerte er die Ziellinie und setzte damit eine neue Bestmarke beim Weserbergland-Triathlon. Der Schweriner bringt reichlich Erfahrung mit. Acht Jahre war er als Profi unterwegs, inzwischen startet er unter anderem in der Altersklasse M35. In Godelheim konnte er seine aktuelle Form noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen. Auch die Kulisse überzeugte den Sieger. Der Wettkampf rund um den Godelheimer See sei landschaftlich einer der schönsten Triathlons gewesen, die er bestritten habe. Entsprechend zufrieden fiel sein Fazit aus. Nun richtet sich sein Blick auf Hawaii. Dort steht für Mattner die Ironman-Weltmeisterschaft auf dem Programm.
Disselhoff vor WM-Premiere: Für Jonathan Disselhoff ist die Saison ebenfalls noch lange nicht beendet. Der Lokalmatador wird bereits am kommenden Wochenende in Nizza bei seiner ersten Weltmeisterschaft über die Halbdistanz antreten. Auch Roman Reeschke hat einen WM-Start vor Augen. Der Drittplatzierte aus Paderborn ist amtierender Deutscher Meister seiner Altersklasse M35 über die Sprintdistanz und hat sich damit für die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr in Hamburg qualifiziert. Damit standen in Godelheim gleich drei Athleten auf dem Männerpodium, die sich auf einen internationalen WM-Auftritt freuen dürfen.
Nicht weniger spannend verlief das Rennen bei den Frauen. Dort setzte sich mit Svenja Rehr ebenfalls eine Athletin durch, die den Weserbergland-Triathlon bereits bestens kennt. Die frühere Lüchtringerin, die mittlerweile in Rosenheim lebt, feierte ihren dritten Gesamtsieg. Allerdings sah es nach der ersten Disziplin zunächst nicht danach aus. Die Höxteranerin Lisa Lösing erwischte im Wasser den besten Start und kam nach 10:16 Minuten als erste Frau aus dem See. Fast eine Minute betrug ihr Vorsprung auf die Verfolgerinnen. Lösing selbst wusste allerdings, dass sie diesen Vorsprung würde verteidigen müssen. „Die anderen sind aber auf dem Rad und der Laufstrecke stärker“, hatte sie bereits nach dem Schwimmen eingeschätzt. Am Ende belegte sie Rang vier in der Gesamtwertung. Rehr lag nach den 700 Metern zunächst nur auf Platz vier. Doch auf den folgenden beiden Disziplinen arbeitete sie sich kontinuierlich nach vorne. Sowohl auf dem Rad als auch beim Laufen erzielte sie die jeweils zweitbeste Zeit.
Dabei war die Rennsituation für sie schwer einzuschätzen. Wegen des neuen Rolling-Starts wusste Rehr während des Wettkampfs nicht genau, wie groß ihr Rückstand beziehungsweise Vorsprung auf die Konkurrentinnen war. Umso größer war die Freude, als sie nach 1:12:39 Stunden als Siegerin feststand. Laura Reising vom Tri Team Edersee belegte Platz zwei, Dritte wurde Katharina Vieth vom TriTeam Wehrden. Vieth hatte ebenfalls stark begonnen und war als Zweite aus dem Wasser gekommen. Auf dem Rad wurde sie jedoch durch ein technisches Problem ausgebremst. Wegen Schwierigkeiten mit der Gangschaltung musste sie vom Fahrrad steigen und den Defekt beheben. Trotz des Zeitverlusts rettete Vieth den dritten Platz ins Ziel. Dabei verbesserte sie ihre Vorjahreszeit um rund dreieinhalb Minuten. Die Quadrathlon-Vize-Europameisterin zeigte sich entsprechend zufrieden mit ihrem Rennen.
Auch die Staffelwettbewerbe hatten einiges zu bieten. In der Mixed-Konkurrenz setzte sich ein Team mit einem bekannten Namen durch: Christoph Dohmann, der 2022 den Weserbergland-Triathlon als Einzelstarter gewonnen hatte, trat diesmal gemeinsam mit Lina Feldhaus und Sascha Weil an. Feldhaus, mehrfache NRW-Landesmeisterin im Schwimmen, legte den Grundstein für den Erfolg. Weil sorgte anschließend auf dem Rad für eine starke Ausgangslage. Dohmann brachte das Rennen schließlich mit der schnellsten Laufzeit aller Staffeln nach Hause. Nach 1:01:38 Stunden war der Sieg perfekt. Bemerkenswert: Das Mixed-Team war damit sogar schneller als die beste Männerstaffel.
Nach dem Defekt folgt der Sieg: Bei den Männern durfte sich das Team um Ralf Hürtgen, Marcus Pott und Michael Brand besonders über den Erfolg freuen. Im vergangenen Jahr war für die drei der Wettkampf wegen eines Raddefekts vorzeitig beendet gewesen. Diesmal hielt das Material und das Trio nutzte seine zweite Chance. Nach 1:03:01 Stunden stand der erste Platz fest. Dahinter folgten Philipp Leber sowie Andreas Derksen junior und senior. Rang drei ging an die Staffel aus Amelunxen mit Fabian Hansmann im Wasser, Oleksandr Levchuk auf dem Rad und Sören Hake auf der Laufstrecke. Für Hansmann war der Wettkampf zugleich eine wichtige Vorbereitung. Er startet am kommenden Wochenende in Amsterdam erstmals über die Halbdistanz, wie Höxter-News erfahren hat.
Bei den Frauenstaffeln durfte Rebecca Binnie-Pott bereits zum dritten Mal hintereinander über den Sieg jubeln. Gemeinsam mit Steph Dittschar aus Kassel und Mirijam Floren aus Alhausen holte sie erneut Platz eins. Dittschar erwischte im Wasser einen starken Auftakt und schwamm die schnellste Zeit aller Staffelteilnehmerinnen. Floren war kurzfristig als Radfahrerin eingesprungen und fügte sich offenbar nahtlos ins Team ein. Binnie-Pott machte schließlich auf der Laufstrecke den dritten Staffelsieg in Serie perfekt. Ihr Fazit fiel entsprechend positiv aus: Die kurzfristig zusammengestellte Mannschaft habe hervorragend funktioniert. Die Siegerehrung fand im Anschluss an das Sportevent bei herrlichem Sommerwetter im Zieleinlauf am Freizeitsee statt. Unter Moderation von Stadtsprecher Markus Finger nahmen die Athletinnen und Athleten am Ende ihre Preise auf dem Siegertreppchen entgegen, überreicht von Bürgermeister Daniel Hartmann.
Fotos: Heinz und Simone Kube