Marienmünster (red). Früher dienten Krautbunde zum Schutz von Haus und Stall und als Hausapotheke für den Winter, heute erinnern die bunt blühenden Sträuße rund um die majestätische Königskerze vor allem an die intensive Heilkraft aus der Natur. Diese alte Tradition des Sammelns und Bindens von Kräutern zu Mariä Himmelfahrt am 15. August hat in den vergangenen Jahren eine echte Renaissance in der Region erfahren. Viele Gemeinden und Vereine lassen das Krautbundbinden wieder aufleben.
Und deshalb initiiert das Netzwerk Klosterlandschaft OWL am Freitag, 14. August, zum Thema Krautbinden einen kleinen Workshop im Abteigarten Marienmünster. Zwei Konzerte zum Weihetag der beiden Klosterkirchen in Marienmünster und Hardehausen schließen sich dann am Samstag, 15. August, und Sonntag, 16. August, an.
Kleine Kostbarkeiten am Wegesrand
Wer Interesse am Workshop hat, kann sich auf eine Entdeckungsreise durch eine Natur voller Geheimnisse freuen. Unter der Federführung der erfahrenen Zierpflanzengärtnerin Carmen Basener gehen die Teilnehmenden erst einmal auf eine kleine Kräuterwanderung rund um die Abtei Marienmünster. „Ich möchte das Bewusstsein dafür wecken, genau hinzuschauen, dort, wo überall kleine Kostbarkeiten wachsen, welchen Nutzen und welche Wirkung die Pflanzen haben“, erklärt Gärtnerin Carmen Basener. Schließlich ginge es ja auch um jeneGewächse, die auf den ersten Blick ganz unscheinbar am Wegesrand gedeihen.
Kleine Pflanzen - große Heilwirkung
Gemeinsam mit Nicola Nilling, Veranstalterin der Kulturstiftung Marienmünster, und dem ehrenamtlichen Team des Abteigartens Marienmünsters, hat sich Carmen Basener vorgenommen, neben des Krautbindens in die Geschichte der Kräuterkunde einzutauchen. Sie will aufzuzeigen, welche Heilwirkungen und auch welche Symbolkraft hinter den Pflanzen steckt. „Spannend ist ja, dass man nicht nur schöne Sträuße binden kann, sondern die einzelnen Kräuter auch im Alltag sehr gut zu gebrauchen sind“, so die Gartenexpertin. Ob als Tee, zum Räuchern, zum Kochen oder Würzen, für Salben und Tinkturen, als Schutz gegen Schädlinge oder einfach nur zum Dekorieren – Kräuter haben viele Gesichter.
Die Tradition des Krautbindens und die damit verbundene Kräuterweihe besitzt tiefe vorchristliche Wurzeln, die auf naturmagische Vorstellungen und Schutz vor Krankheiten zurückgeht. Die katholische Kirche übernahm diese alten Bräuche vom 9.Jahrhundert an und verknüpfte sie mit dem Fest von Mariä Himmelfahrt. „Denn in dieser Zeit blühen die Kräuter am intensivsten und haben auch die größte Wirkung“, so Carmen Basener. Denn gerade der August markiere den Höhepunkt des Sommers und stimme auf die Erntezeit ein. Und neben dem Sammeln gehört auch Riechen, Schmecken und Fühlen der Pflanzen dazu. Die Kräuterexpertin möchte nicht nur die Kenntnis über die Natur weitergeben, sondern auch die Wertschätzung der unzähligen Wildpflanzen und ihrer Lebensräume fördern.
Die Anzahl der im Krautbund vereinten Kräuter – oft symbolische und mystische Zahlen wie 7, 9, 24 bis hin zu 99 – soll „magischen“ beziehungsweise göttlichen Segen ausdrücken. Zu den Kräutern gehören natürlich je nach Region eine Vielzahl an Ähren wie Gerste, Hafer, Weizen, daneben Thymian, Kamille, Schafgarbe, Lavendel, Minze, Wermut, Eisenkraut, Oregano, Salbei und Dill.
Königskerze in der Mitte
In der Mitte des Bundes thront wie eine Fackel die Königskerze. Was deren Heilkraft angeht: Ihre goldgelben Blüten helfen als Tee bei Husten und Erkältung. Die Workshop-Teilnehmerinnen und – Teilnehmer finden einen Großteil der Pflanzen in den Gärten rund um die Abtei. Natürlich haben die Veranstalter auch entsprechende, getrocknete Kräuter zum Binden vorbereitet, da die vergangenen Hitzeperioden und die hohen Temperaturen vielen Pflanzen inzwischen zugesetzt haben. Die fertiggebundenen Krautbunde können dann in den Gottesdiensten von Mariä Himmelfahrt gesegnet werden. Für den Workshop kann man bis Montag, 10. August, unter
Konzerte zu Mariä Himmelfahrt
Zu diesen besonderen Tagen an besonderen Klosterorten darf natürlich Musik nicht fehlen. Zum Weihetag der Abteikirche Marienmünster sowie der Klosterkirche Hardehausen widmen sich Mezzosopranistin Uta Singer und Organist Volker Jänig einem außergewöhnlichen Konzertprogramm, das Werke von Giovanni Paolo Cima, Dietrich Buxtehude, Matthias Weckmann und Heinrich Schütz in den Fokus rückt. Die musikalische Marienvesper in Marienmünster beginnt am Samstag, 15. August, um 19 Uhr. In der Klosterkirche Hardehausen sind die beiden Künstler am Sonntag, 16. August, um 17 Uhr, zu erleben.
Der Eintritt zu beiden Konzerten ist frei.
Gefördert wird das Klosterfestival 2026 vom Kulturland Kreis Höxter, den Kreisen Gütersloh und Paderborn, dem Landschaftsverband LWL, der VerbundVolksbank OWL eG sowie der Gesellschaft der Musikfreunde der Abtei Marienmünster e.V.
Details zur Arbeit des Netzwerkes sowie die Online-Version des Programmheftes und der einzelnen Veranstaltungen gibt es unter www.klosterlandschaft-owl.de.
Foto: Netzwerk Klosterlandschaft OWL/Martina Schäfer

