Höxter (TKu). Bewohner der Altstadtresidenz in Höxter retten historischen Torbogen der Brauerei Krekeler: Seniorinnen und Senioren haben im Rahmen einer Projektwoche die Überreste eines historischen Torbogens aus Eiche bearbeitet, der einst Teil der Brauerei Krekeler in Höxter war und am Standort ihrer heutigen Seniorenresidenz gestanden hat. Höxter hat eine lange Geschichte als Bierbraustadt. Bereits seit 1576 wurde in der Stadt Bier gebraut. Ein Stück dieser Geschichte ist nun auf besondere Weise erhalten geblieben. In der Altstadtresidenz haben Seniorinnen und Senioren aus mehr als 250 Jahre altem Eichenholz ein neues Kunstwerk geschaffen. Das Holz gehörte zu einem alten Torbogen der ehemaligen Brauerei Krekeler.
Die Idee für das ungewöhnliche Kunstprojekt entstand eher zufällig. Die Bildhauerin Beate Steven, gebürtige Höxteranerin und heute in Köln lebend, besuchte zu Ostern ihre Mutter in der Altstadtresidenz. Dabei entdeckte sie im Garten mehrere alte Eichenbalken. „Wenn ich Holz sehe, kriege ich immer solche Augen“, beschreibt Steven ihre Reaktion. Bei genauerem Hinsehen erkannte sie, dass es sich um die Überreste des historischen Torbogens der Brauerei Krekeler handelte. Der Torbogen hatte ursprünglich den Eingang zu einem Gebäude der Brauerei geschmückt. Eine Scheune wurde 1829 von Caroline Krekeler, geborene Lülwes, an der Stelle errichtet, an der heute die Altstadtresidenz steht. Die historische Adresse des Eingangs lautete Obere Mauerstraße 1. Von der einst umfangreichen Brauerei Krekeler ist unter anderem der große Torbogen aus Eichenholz erhalten geblieben.
Vor gut zwei Jahren musste der Torbogen wegen seines schlechten Zustands und bestehender Einsturzgefahr abgebaut werden. Die einzelnen Holzteile lagen anschließend im Garten der Altstadtresidenz. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner war dieser Anblick bedrückend. Sie sahen darin ein Stück Höxteraner Geschichte, das scheinbar verloren ging. Rund 250 Jahre alte Eichenbalken lagen im Freien und drohten weiter zu verrotten. Steven wollte das verhindern. „Da kann man noch was draus machen“, war sie überzeugt. Sie entwickelte die Idee, gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Altstadtresidenz aus dem historischen Holz eine neue Gartenskulptur zu schaffen. Unterstützung erhielt sie dabei von mehreren Seiten. Beteiligt waren unter anderem die BAUSIE, vertreten durch Frau Müller, das Petri-Stift mit Frau Schaffer als Leiterin der Einrichtung, der Dachdeckerbetrieb Müller sowie die Firma Frost. Der Dachdeckerbetrieb stellte drei große Palettentürme als Arbeitsflächen zur Verfügung, während die Firma Frost mit Werkzeug, Sägen und praktischer Unterstützung half.
Für Steven zeigt das Projekt auch eine Besonderheit kleinerer Städte. „Das ist Höxter“, sagt die Künstlerin. In einer Großstadt sei eine solche unkomplizierte Zusammenarbeit aufgrund größerer Anonymität schwieriger. Vom 10. bis zum 15. August wurde schließlich gearbeitet. Rund zehn Seniorinnen und Senioren beteiligten sich mit großem Einsatz. Die Balken wurden geschnitzt, geschliffen und anschließend bemalt. Gearbeitet wurde bereits morgens ab 9 Uhr. Nach einer Pause ging es am Nachmittag gegen 14 Uhr weiter, bis am frühen Abend die Werkzeuge für den Tag weggelegt wurden. Auch die hohen Temperaturen der vergangenen Woche hielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht von der Arbeit ab. Zu ihnen gehörte Hans Stefaniak. Mit einem Knüppel und einem Schnitzeisen arbeitete er sich Millimeter für Millimeter durch das alte Eichenholz. Dabei folgte er einer blauen Linie, die Steven auf dem Balken vorgezeichnet hatte. Für Stefaniak war das Arbeiten mit Holz eine neue Erfahrung. „Ich habe immer nur mit Metall gearbeitet“, berichtete er. Im Ruhestand lernte er nun einen neuen Werkstoff kennen.
Auch Margret Bömelburg beteiligte sich an den Schnitzarbeiten. Konzentriert arbeitete sie an einem komplizierten Ornament. Das Aushöhlen der Konturen erfordere jeweils eine eigene Technik, erklärte sie. Bömelburg ist kreativ und bastelt gern. Deshalb habe sie sich sofort für das Projekt interessiert. „Ich versuche gern Neues“, sagte sie. Beim Schnitzen zeigte sich allerdings auch, dass das alte Eichenholz seine eigenen Regeln hat. Manchmal splitterte das Holz oder es brach an Stellen etwas heraus. Für die Künstlerin Steven waren diese kleinen Unregelmäßigkeiten kein Problem. Das Material sei selbst mehr als zwei Jahrhunderte alt und dürfe diese Geschichte auch zeigen. Inhaltlich verbindet die neue Skulptur die Geschichte der Brauerei mit dem heutigen Leben in der Seniorenresidenz. Als gemeinsames Thema wurde schnell die Gemeinschaft gefunden. Die Trägerbalken zeigen Symbole von Hopfen und Gerste, den wichtigen Rohstoffen für das Bierbrauen. Das Weserwasser wird als fließendes Element dargestellt. Darüber befinden sich abstrakte Vögel, die für Freiheit, Freude und Lebendigkeit stehen. Auch Fische gehören zum gestalterischen Konzept.
Eine besondere Bedeutung hat ein mehr als vier Meter langer Balken. Darauf ist Caroline Krekeler, die Erbauerin des historischen Torbogens, verewigt. Der Schriftzug wurde sorgfältig gereinigt, teilweise nachgeschnitzt und anschließend neu farbig gefasst. Die Buchstaben wurden sogar in Serifenschrift ausgearbeitet und mit weißer Farbe hervorgehoben. Der ehemalige Malermeister und Bewohner Manfred Möller begutachtete die Arbeit kritisch. Einige Stellen hätten eigentlich geschliffen werden müssen, erklärte er. Dafür sei die Schrift allerdings zu schmal. Zudem war an manchen Stellen bereits Holz weggebrochen. „Wo nichts ist, kann man nichts bemalen“, stellte der Fachmann fest. Dennoch betrachtete er das Ergebnis sichtlich zufrieden.
„Auch Bewohnerinnen und Bewohner, die aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst mitarbeiten konnten, waren Teil des Projekts. Sie kamen vorbei, beobachteten die Arbeiten, lobten das Ergebnis und unterstützten die Gruppe mit Kuchen und Getränken. Dadurch wurde das gemeinsame Projekt auch zu einem sozialen Ereignis innerhalb der Residenz.“ Für die Bildhauerin war die Arbeitswoche ebenfalls intensiv. Nach den täglichen Arbeiten an der frischen Luft war sie am Abend erschöpft, hieß es von Beate Steven. Für die Projektwoche hatte sie sich eine Ferienwohnung in Höxter direkt gegenüber der Seniorenresidenz genommen und Bücher für die Abende eingepackt. Zum Lesen kam sie allerdings nicht.
Am Ende konnten alle Teile des historischen Torbogens bearbeitet und zu einer neuen Gartenskulptur zusammengesetzt werden. Die Brauerei Krekeler, die 1987 abgerissen wurde, ist damit zumindest in einem Teilstück wieder sichtbar. Für die Bewohnerinnen und Bewohner ist das Ergebnis deshalb mehr als nur ein Kunstwerk. Eine Seniorin bezeichnete den Erhalt des Torbogens als „ein großes Geschenk“. Auch die Geschichte des Bierbrauens in Höxter werde laut Steven durch das Projekt wieder stärker ins Bewusstsein gerückt. Die neue Gartenskulptur steht inzwischen im nicht öffentlichen Garten der Altstadtresidenz.
Geschichte der Brauerei Krekeler (1987 Teilabriss und 2003 kompletter Abriss der restlichen Bauten):
Die Geschichte der Höxteraner Braukunst reicht mehrere Jahrhunderte zurück. Bereits im Mittelalter spielte der Hopfenanbau in der Region eine wichtige Rolle. Nach alten Überlieferungen wurde rund um Höxter schon im 12. und 13. Jahrhundert Hopfen angebaut. Bier galt damals als wichtiges Grundnahrungsmittel. Bürger hatten in der Regel das Recht, ihr eigenes Bier zu brauen. Die Bedeutung des Hopfenanbaus nahm später unter anderem durch die Folgen des Dreißigjährigen Krieges und vermutlich auch durch klimatische Veränderungen ab.
Eine zentrale Rolle in der Höxteraner Braugeschichte spielte die Familie Krekeler. Bereits 1576 erhielt Hans Krekeler das Braurecht. Über Generationen blieb dieses Recht in der Familie. Ein Chronikeintrag aus dem Jahr 1905 deutet darauf hin, dass die Brauerei Krekeler spätestens im 18. Jahrhundert in Betrieb war. Auch für das Jahr 1724 gibt es einen Hinweis auf Höxteraner Bier, das vermutlich aus der Krekeler-Brauerei stammte. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Brauerei zu einem größeren Familienbetrieb. 1833 eröffnete Heinrich Krekeler eine Gaststätte in der Nicolaistraße, in der er sein selbst gebrautes obergäriges Bier ausschenkte. Das historische Gebäude ist bis heute erhalten. Zunächst wurde das Bier im Keller des Hauses gebraut. Als die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, begann die Familie mit der Erweiterung des Betriebs. Zwischen 1850 und 1855 entstanden große Eiskeller unter dem Felsenkeller, die zur Lagerung des Bieres dienten.
Eine entscheidende Veränderung erfolgte durch Heinrich Krekeler, den Sohn des Gastwirts. Er erlernte zwischen 1856 und 1867 die untergärige Brauweise in Dortmund, Niedermendig und Berlin. 1867 übernahm er den väterlichen Betrieb und errichtete an der Oberen Mauerstraße 1 eine neue, für die untergärige Bierproduktion geeignete Brauerei mit Kellergebäuden. Damit wurde die Grundlage für die spätere größere Krekeler-Brauerei geschaffen. Die Brauerei und die dazugehörige Gastwirtschaft blieben über Jahrzehnte in Familienhand. 1902 übernahm Karl Hermann Emil Heinrich Krekeler den Betrieb. Später führte er die Brauerei gemeinsam mit seinem Sohn Heinz weiter. Unter verschiedenen Bezeichnungen, darunter „Krekelers Höxter-Bier“ und „Nicolai-Bräu“, wurde das Bier erfolgreich verkauft.
Zum Brauereikomplex gehörten zahlreiche Gebäude. Zwei große Eingangstore mit den Initialen „H“ und „K“ markierten den Zugang. Dahinter befanden sich unter anderem ein Fachwerk-Lagerhaus und der Getränkeverkauf. 1929 beziehungsweise 1930 entstand ein großes Fachwerk-Wohnhaus an der Oberen Mauerstraße 3. Auch die Garage und Wohnung des Braumeisters in der Wallstraße 11 gehörten zum Besitz der Familie. Dort ist bis heute das Familienwappen der Krekelers mit dem Hinweis „Erbaut von Heinrich Krekeler“ erhalten. Nach dem Tod von Karl Hermann Emil Heinrich Krekeler im Jahr 1961 führte zunächst seine Witwe Emma Auguste Krekeler die Brauerei weiter. 1963 übergab sie den Betrieb an ihren Sohn Heinz Krekeler, der ihn bis 1970 leitete. Sein Sohn Jürgen Krekeler war der letzte Braumeister. Er starb 1970 im Alter von nur 32 Jahren. Am 30. März 1970 erfolgte der letzte Eintrag durch den letzten Braumeister, am 31. März wurde die Brauerei endgültig geschlossen. Damit endete nach fast 400 Jahren die Brautradition der Familie Krekeler in der Höxteraner Kernstadt.
Die Martini-Brauerei Adolf Kropf aus Kassel übernahm anschließend die Brauerei. Die Marke „Höxter-Bier“ wurde noch einige Jahre weitergeführt, das Bier jedoch fortan in Kassel gebraut. Adolf Kropf wurde 1976 als Besitzer des Grundstücks an der Oberen Mauerstraße 1 geführt. Nach der Schließung verfiel der ehemalige Brauereikomplex zunehmend. Das Brauereigelände blieb noch lange von Spuren seiner früheren Nutzung geprägt. Der große Braukessel wurde aufwendig ausgebaut und in die USA gebracht, wo er wieder aufgebaut wurde. Die ehemaligen Produktionshallen enthielten noch in den 1980er Jahren zahlreiche Geräte und Gegenstände aus der Brauereizeit. Für Kinder waren die verlassenen Gebäude ein faszinierender, zugleich gefährlicher Spielplatz.
Abriss der historischen Gebäude:
1987 wurden die Produktionshallen abgerissen, zuvor war bereits der hohe Schornstein mit der Aufschrift „Nicolaibräu“ verschwunden. Das große Fachwerk-Wohnhaus und das Lagergebäude blieben zunächst bestehen. Das Wohnhaus wurde später unter anderem von der Familie Schilling, Studenten und zuletzt einer türkischen Familie bewohnt. Im Jahr 2003 wurde schließlich auch das imposante Fachwerk-Wohnhaus abgerissen, um Platz für die heutige Seniorenanlage an der Oberen Mauerstraße 1 zu schaffen. Dabei wurden unter einer unscheinbaren Luke überraschend noch alte Gewölbekeller mit großen Becken entdeckt, die einst zum Brauen und Lagern des Bieres gedient hatten. Anwohner konnten die Keller nach dem Abriss noch betreten und erkunden, bevor auch diese historischen Überreste verschwanden.
Fotos/Repros: Thomas Kube und Beate Steven.

