Lütmarsen (TKu). Der Ball rollt endlich wieder am Bollerbach. Nach mehr als vier Jahren ohne nutzbaren Sportplatz ist in Lütmarsen am vergangenen Sonntag die neue Sportanlage offiziell eingeweiht worden. Zahlreiche Zuschauer, Vereinsmitglieder sowie Gäste aus Politik, Verwaltung und Sport waren dabei, als Bürgermeister Daniel Hartmann gemeinsam mit Rainer Vidal von der Bezirksregierung sowie den TuS-Vorstandsmitgliedern Volker Hiller und Wilfried Mönnekes die neue Anlage ihrer Bestimmung übergab.
Neuer Rasenplatz offiziell freigegeben
Mit der Eröffnung des neuen Rasensportplatzes und des Vereinsheims ist ein umfangreiches Wiederaufbauprojekt abgeschlossen. Den offiziellen Startschuss für die neue Sportstätte gab Bürgermeister Daniel Hartmann symbolisch mit dem Durchschneiden eines Bandes. Vor zahlreichen Zuschauern und Gästen wurde damit der neue Rasenplatz offiziell freigegeben. Für den TuS Lütmarsen war dies ein besonderer Moment, denn der Verein musste seit der Zerstörung der alten Sportanlage im Jahr 2022 auf einen eigenen nutzbaren Platz verzichten.
Alte Mannschaftsfotos kehren ins Vereinsheim zurück
Im Mittelpunkt der Eröffnung stand neben dem neuen Spielfeld auch das neu gestaltete Vereinsheim. Bürgermeister Hartmann sowie weitere Vertreter aus Politik und Verwaltung nutzten die Gelegenheit zu einer Führung durch das Gebäude. Vereinsvorsitzender Volker Hiller stellte dabei die neuen Räumlichkeiten vor. An den Wänden hängen inzwischen wieder die alten Mannschaftsfotos des Vereins. Die Bilder hatten den Tornado von 2022 überstanden und wurden nun wieder an ihrem ursprünglichen Platz aufgehängt.
Vereinsheim künftig vollständig für den TuS
Für den TuS Lütmarsen bringt das neue Vereinsheim noch eine weitere Veränderung mit sich. Der Sportverein muss das Gebäude künftig nicht mehr gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr nutzen. In Lütmarsen entsteht derzeit ein neues Feuerwehrgerätehaus, sodass das Vereinsheim künftig vollständig für den Verein und dessen Aktivitäten zur Verfügung steht.
Auch sportlich wurde die neue Anlage unmittelbar in Betrieb genommen. Nach der offiziellen Einweihung standen sich die Spielgemeinschaft (SG) Heiligenberg und der FC Nieheim auf dem neuen Rasen gegenüber. Die erste Partie endete mit einem torreichen 3:3-Unentschieden. Damit wurde die neue Sportstätte unmittelbar nach der offiziellen Freigabe auch ihrer eigentlichen Bestimmung übergeben: dem Fußball.
Tornado „Emmelinde“ zerstörte die alte Anlage
Der Wiederaufbau war notwendig geworden, nachdem der Tornado „Emmelinde“ am 20. Mai 2022 erhebliche Schäden in Lütmarsen angerichtet hatte. Der Sportplatz am Bollerbach wurde dabei ebenso schwer getroffen wie das angrenzende Sportheim. Fußballtore wurden beschädigt, Zäune zerstört und das Spielfeld in Mitleidenschaft gezogen. Das Dach des Sportheims wurde vollständig abgerissen, anschließend drang Wasser in das Gebäude ein.
Die Geschichte des Tornados spielte bei der Einweihung zwar eine Rolle, stand jedoch nicht im Mittelpunkt. Bürgermeister Hartmann erinnerte daran, wie schwierig die Situation damals gewesen sei, verwies aber zugleich auf die Entwicklung seitdem. Nach dem Sturm hatten zahlreiche Lütmarser, Vereine, Feuerwehr und freiwillige Helfer bei den Aufräumarbeiten geholfen. Auch der Wiederaufbau wurde von vielen Menschen aus dem Ort begleitet.
Jahre der Planung bis zum kompletten Neubau
Nach den ersten Aufräumarbeiten war zunächst nicht absehbar, wann auf dem Gelände wieder Fußball gespielt werden konnte. Der Platz blieb über Jahre unbespielbar. Zusätzlich wurde der Untergrund durch den Einsatz schwerer Räumfahrzeuge und Bagger während der Aufräumarbeiten beschädigt. Es folgten Planungen, Schadensaufnahmen, Abstimmungen mit Versicherungen und die Beantragung von Fördermitteln.
Schließlich konnte der komplette Neubau der Sportanlage im Rahmen des Wiederaufbauprogramms des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt werden. Entstanden ist eine moderne Sportanlage mit einem Naturrasenplatz, der eine Spielfläche von 90 mal 54 Metern einschließlich der Sicherheitsbereiche umfasst.
Drainage, Beregnung und Vorbereitung für Flutlicht
Unter dem Spielfeld befindet sich ein umfangreiches Drainagesystem zur Ableitung von Regenwasser. Außerdem verfügt die Anlage über eine automatische Beregnungsanlage mit eigenem Brunnen. Die technischen Voraussetzungen für eine spätere Flutlichtanlage wurden ebenfalls geschaffen. Die Fundamente dafür sind bereits vorhanden.
Auch rund um das Spielfeld wurde die Anlage neu gestaltet. Neue Ballfangzäune, Tore und Spielerbänke gehören ebenso zur Ausstattung wie Pkw- und Fahrradstellplätze. Insgesamt wurden im Zuge der Bauarbeiten rund 6000 Tonnen Material bewegt. Ziel war es, eine Sportstätte zu schaffen, die den heutigen Anforderungen entspricht und dem Verein langfristig zur Verfügung steht.
Rund 1,6 Millionen Euro für Sportplatz und Gebäude
Die Investitionen sind entsprechend umfangreich. Für den Sportplatz allein wurden rund 800.000 Euro veranschlagt. Bürgermeister Hartmann bezifferte die Gesamtkosten für Sportplatz und Sportplatzgebäude bei der Einweihung auf rund 1,6 Millionen Euro. Ein erheblicher Teil der Finanzierung erfolgt über das Wiederaufbauprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen. Hinzu kommen Eigenmittel und Versicherungsleistungen.
Bei der Eröffnung richtete Hartmann seinen Dank an das Land Nordrhein-Westfalen und an Ministerin Ina Scharrenbach, die selbst nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnte. Ebenso dankte er den beteiligten Planungsbüros, ausführenden Unternehmen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung.
TuS Lütmarsen erhält seine sportliche Heimat zurück
Einen besonderen Stellenwert nahm in seinen Worten der TuS Lütmarsen ein, der den Wiederaufbau begleitet und sich für die Rückkehr des Sports am Bollerbach eingesetzt hatte. Vereinsvorsitzender Volker Hiller zeigte sich über das Ergebnis erleichtert. Der neue Platz sei für den Verein und die gesamte Ortschaft von großer Bedeutung. „Jetzt rollt der Ball beim SG Heiligenberg wieder“, erklärte Hiller.
Fotos: Thomas Kube