Landkreis Northeim (lpd). Ob größerer Stromausfall, schweres Unwetter, Hochwasser oder größere Brände: In außergewöhnlichen Situationen brauchen die Menschen schnell verlässliche und verständliche Informationen. Im Landkreis Northeim gibt es dafür seit zwei Jahren den Fachzug Bevölkerungswarnung und Öffentlichkeitsarbeit.
Der Fachzug und sein Führungsdienst sind rund um die Uhr erreichbar. Die Einsatzkräfte verfolgen aktuelle Entwicklungen und können sich frühzeitig mit dem Fachbereich Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises abstimmen. Bei einer Anforderung durch eine Kommune oder eine Einsatzorganisation wie die Feuerwehr stehen speziell ausgebildete Kräfte und verschiedene Warnmöglichkeiten zur Verfügung.
Erfahrungen aus Einsätzen fließen in die Planungen ein
Auch abgeschlossene Einsätze und besondere Lagen werden regelmäßig ausgewertet. Dazu gehören beispielsweise die jüngsten Stromausfälle in der Region. Das Team betrachtet, welche Entscheidungen getroffen wurden, wie die Menschen informiert werden konnten und welche Maßnahmen sich bewährt haben. Die gewonnenen Erfahrungen fließen in die Einsatzplanung, die Ausbildung und die technische Weiterentwicklung ein. Die Konzepte werden außerdem regelmäßig im Rahmen von Ausbildungen und Übungen erprobt, unter anderem in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesamt für Brand- und Katastrophenschutz.
„Bevölkerungsschutz darf nicht erst beginnen, wenn eine außergewöhnliche Lage bereits eingetreten ist. Wir müssen Entwicklungen frühzeitig erkennen, vorbereitet sein und aus Ereignissen innerhalb und außerhalb unseres Landkreises lernen“, sagt Zugführer Konstantin Mennecke. Ziel sei es, mögliche Gefahren rechtzeitig einzuordnen und bei Bedarf schnell handeln zu können.
Fachzug wertet auch Hinweise in sozialen Netzwerken aus
Eine wichtige Aufgabe ist die verlässliche Information der Bevölkerung. Bei Stromausfällen, Hochwasser oder extremen Wetterlagen wertet der Fachzug deshalb auch öffentlich zugängliche Hinweise in sozialen Netzwerken aus. So können Fragen und Gerüchte frühzeitig erkannt und Falschmeldungen auf Grundlage bestätigter Informationen richtiggestellt werden.
„Gerade in unübersichtlichen Situationen ist es wichtig, dass die Menschen wissen, was passiert ist, wie sie sich verhalten sollen und wo sie Hilfe bekommen“, erklärt Mennecke. „Dafür arbeiten wir eng mit den Kommunen, der Polizei, den Feuerwehren und den Rettungsdiensten zusammen.“
Sechs mobile Warntrupps gehören zum Fachzug
Zum Fachzug gehören sechs mobile Warntrupps. Darüber hinaus können Warnmeldungen über das Modulare Warnsystem des Bundes verbreitet werden. Auf diesem Weg erreichen wichtige Hinweise die Bürgerinnen und Bürger beispielsweise über Warn-Apps und Cell Broadcast direkt auf dem Mobiltelefon. Je nach Lage können weitere Warnmöglichkeiten hinzukommen, etwa Lautsprecherdurchsagen aus der Luft mithilfe einer Drohne.
Die Warnkonzepte werden regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. Ziel ist es, die Menschen auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässig mit den notwendigen Informationen zu erreichen – beispielsweise bei Unwettern, Stromausfällen oder wenn Straßen durch Hochwasser nicht mehr befahrbar sind. Moderne Kommunikations- und Drohnentechnik unterstützt dabei.
Warntrupps sind über den gesamten Landkreis verteilt
Um überall schnell einsatzbereit zu sein, sind die Warntrupps quer durch den Landkreis verteilt. Sie werden durch die Feuerwehren Bodenfelde, Bühle, Katlenburg, Lauenberg, Moringen und Sebexen gestellt. Mit mobilen Warn- und Durchsageeinrichtungen können sie die Bevölkerung vor Ort durch Lautsprecherdurchsagen und Sirenensignale warnen und informieren.
Seit einem Jahr gehört auch ein Führungsdienst zum Fachzug. Er koordiniert den Einsatz der Warntrupps und bedient das Modulare Warnsystem des Bundes. Über die Plattform werden unter anderem Warn-Apps und Rundfunkdurchsagen ausgelöst. Darüber hinaus unterstützt der Führungsdienst beim Aufbau und bei der Versorgung von Notfall-Anlauf-Punkten im Landkreis Northeim und kann wichtige Informationen zu aktuellen Lagen bündeln und weitergeben.
Fast 80 Mitglieder engagieren sich im Fachzug
Eine enge Abstimmung mit den Einsatzleitungen vor Ort und mit dem Landkreis als Unterer Katastrophenschutzbehörde stellt sicher, dass nur verifizierte Informationen veröffentlicht werden. Das schafft Orientierung, wirkt Spekulationen entgegen und stärkt das Vertrauen in die Arbeit der Einsatzkräfte.
Nach den ersten beiden Jahren ist der Fachzug mit seinen fast 80 Mitgliedern zu einem festen Bestandteil des Bevölkerungsschutzes im Landkreis Northeim geworden. Im Mittelpunkt steht dabei weiterhin ein klares Ziel: Die Menschen sollen in einer außergewöhnlichen Situation möglichst schnell erfahren, was geschehen ist, welche Bereiche betroffen sind und was sie selbst tun können.
Foto: Bevölkerungsschutz Landkreis Northeim