Deutschladn (red). Die Politik hat das Problem erkannt – aber das Problem ist weiter ungelöst. Auf diesen Punkt bringen es die bundesweiten Initiativen gegen Motorradlärm, die zum „Tag gegen Lärm“ am 28. April vereinbart haben, dass sie künftig intensiver zusammenarbeiten. Die drei größten Interessensvertretungen sind die Initiative Motorradlärm aus Baden-Württemberg, in der 158 Gemeinden und Landkreise vereinigt sind, dann Silent Rider mit Wurzeln in vielen Eifelgemeinden und Mitgliederschwerpunkten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie die Anwohnerinitiative VAGM – Vereinigte Arbeitsgemeinschaft gegen Motorradlärm e.V., die bundesweit die Interessen von betroffenen Anliegern an Hotspots vertritt. 

Gemeinden, Städte und ganze Landkreise begehren gegen das Problem Motorradlärm auf. Ja selbst der Bundesrat hat sich 2020 zu einer Empfehlung an die Bundesregierung bekannt, das Problem mit klaren Einschränkungen des Lärms an der Wurzel und deshalb beim Verursacher „leistungsstarkes Motorrad“ unter anderem mit einem echten Grenzwert anzupacken: „Es geht nicht gegen alle Motorradfahrer – aber es geht gegen die extrem lauten und davon gibt es zu viele,“ sagt Silent Rider Sprecher Karl-Heinz Hermanns. In vielen Städten und Gemeinden der Republik – vom Schwarzwald über die Eifel, dem Sauerland, dem Weserbergland bis ins Erzgebirge und in vielen Metropolregionen – belasten der laute Teil des Motorrad-Tourismus und speziell auch Raser mittlerweile Lebensqualität und Erholungswert ganzer Landstriche. Weit über 300 Motorradlärm-Hotspots deutschlandweit listet die Anwohnerinitiative VAGM e.V. 

Tiroler Modell auch für Deutschland 

Untersuchungen aus Tirol zeigen, dass die ganz lauten Fahrzeuge in puncto gesundheitsschädigender und belästigender Wirkung akustisch weit aus dem Normalverkehr herausragen. Die Tiroler haben deshalb die Reißleine gezogen und mit dem Tiroler Modell temporäre und auf bestimmte Straßen bezogene Streckensperrungen für besonders laute Kräder in der Saison eingeführt. „Das pragmatische Vorgehen unseres Nachbarlandes wurde mittlerweile von der EU abgesegnet. Wir sehen nun, dass es entsprechende Möglichkeiten für den Schutz der Anwohner an besonders belasteten Strecken gibt, was auch in Deutschland möglich sein sollte,“ sagt Sonja Schuchter von der Baden-Württemberger Initiative gegen Motorradlärm. 

Mehrheit der Bürger offen für Fahrverbote 

„Der Ball liegt eindeutig bei Politik und Behörden,“ sagt Holger Siegel, Sprecher der VAGM e.V. „Nachdem man uns jahrelang gepredigt hat, dass dies ein Problem auf EU-Ebene sei, hat die EU jetzt das Tiroler Modell gutgeheißen“. Nach 20 Jahren Kampf gegen den mutwilligen Lärm fordert er jetzt ein deutschlandweites Modell, das die Hersteller lauter Fahrzeuge auf zwei und vier Rädern unter Zugzwang setzt, aber auch den auffällig lauten Fahrzeugbestand angeht. Nach Messungen des Baden-Württembergischen Verkehrsministeriums müsse man davon ausgehen, dass ein Drittel aller Kräder akustisch stark auffällig ist – ein Vielfaches lauter als der aktuelle Grenzwert von 77 dB(A). Holger Siegel: „Die ganzen verständnisvollen Dialoge und Aktionen wie „Kaffee statt Knöllchen“ haben bisher nichts bis wenig gebracht – wir brauchen eine Verbesserung für die Menschen an den Strecken“. Dabei sehen die Initiativen auch die öffentliche Meinung hinter sich: Im August 2020 hatte das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Nachrichtenmagazins Spiegel erhoben, dass eine große Mehrheit der Bundesbürger Fahrverbote für laute Motorräder gutheißt. Zum Tag gegen Lärm haben die Initiativen eine Social-Media-Aktion „Zeig mir deinen Lärm“ ausgerufen: Anwohner sollen dabei in Kommentaren und Videos transparent machen, wie sie die Belästigung durch mutwillig laute Fahrzeuge erleben.

Foto: Initiative Motorradlärm